Studie

2008 hat der Bund das Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes der UNESCO ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Massnahmen zur Erhaltung des immateriellen Kulturguts zu festigen und zu stärken. Ein zentrales Element des Übereinkommens war die Schaffung eines Inventars, das für die Schweiz in der Form der Listen der Lebendigen Traditionen vorliegt.

Das Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken ist einer der Bereiche, die mit dem UNESCO Übereinkommen erfasst werden. In diesem Zusammenhang haben die Bundesämter für Berufsbildung und Technologie BBT (heute SBFI) und für Kultur BAK ein Forschungsmandat an Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern vergeben, um die Grundlagen zur Erhaltung des traditionellen Handwerks in der Schweiz aufzuarbeiten.

Als Teil dieser Bestandesaufnahme der traditionellen Handwerksberufe und -fertigkeiten in der Schweiz hat Interface gleichzeitig eine Datenbank geschaffen. Für jedes traditionelle Handwerk ist ein „factsheet“ erstellt worden, die auf detaillierten Literaturrecherchen sowie auf Gutachten und Einschätzungen von Expertinnen und Experten basieren. Sie enthalten Grundinformationen zum jeweiligen Handwerk und spezifische Hinweise zur Gefährdung, zum Fortbestand beziehungsweise zur Überlieferung der Handwerke.

Die Autorinnen und Autoren der Studie schlagen verschiedene Massnahmen vor, die sich an die entsprechenden Institutionen der öffentlichen Hand aber auch an private Organisationen (Verbände, Stiftungen etc.) richten (siehe dazu auch Seiten 65-73 in der Interface Studie):

Massnahmen im Bereich der Kulturpolitik

  • Koordination und Begleitung der Umsetzung durch das Bundesamt für Kultur: eine Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure auf Ebene der Gemeinden, der Kantone und des Bundes und die getroffenen Massnahmen müssen sorgfältig abgestimmt werden. Die Entwicklungen im Bereich des traditionellen Handwerks sollen auf weiterhin dokumentiert werden. Die Ergänzung und Komplementierung der Datenbank ist ein erster Schritt in diese Richtung.
  • Förderstrategien: durch eine entsprechende Informations- und Kommunikationspolitik soll für die Thematik sensibilisiert werden. Auch ökonomische Anreize gilt es zu schaffen: Handwerkerinnen und Handwerker können mit Stipendien zur Aus- und Weiterbildung, mit Wettbewerben und Preisen gezielt gefördert werden. Auch die Selbstorganisation der eingebundenen Akteure soll unterstützt und gestärkt werden.

Massnahmen im Bereich der Bildungspolitik

  • traditionelles Handwerk an der Volksschule: z. B. im Rahmen von Projektwochen oder während der Berufswahlphase um vermehrt auf Ausbildungsmöglichkeiten im traditionellen Handwerk aufmerksam zu machen.
  • Berufsbildung: kleineren Berufsverbänden bei Bildungsreformen u.ä. Unterstützung gewähren, wie dies in der Vergangenheit bereits durch das BBT (heute SBFI) geschehen ist. Auch sollte vermehrt auf die Möglichkeit hingewiesen werden, dass traditionelle Handwerksberufe auch über eine Zusatzausbildung erlernt werden können und somit auf diesen Ausbildungswegen interessierte Personen für eine Berufsbildung gewonnen werden können.

Massnahmen in weiteren Politikbereichen

Hier seien nur einige der aufgezählten Möglichkeiten genannt:

  • Massnahmen im Bereich der Technologie- und Innovationsförderung: z. B. mit KTI-Projekten im Bereich des traditionellen Handwerks.
  • Zusammenarbeit mit sozialen Institutionen: z. B. im Aufbau von Lehrwerkstätten.
  • Alterspolitik: Aktiverer Einbezug der aus dem (geregelten) Erwerbsleben ausgeschiedenen Fachkräfte zum Beispiel im Bereich der Unterstützung jugendlicher Lernenden oder in der Vorbereitung und Durchführung von Berufsprüfungen.
  • Regional- und Tourismuspolitik: Regional prägendes traditionelles Handwerk kann in den Fokus der Regional- und Tourismusförderung gestellt werden.

Die Studie von 2011 in deutscher Sprache (mit französischen und italienischen Zusammenfassungen) ist hier abrufbar.

Die Liste aller erfassten Handwerke (Studie S. 30-33) finden Sie hier.

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