Steinbildhauer/in

Das Handwerk der Steinbildhauer[1], welches im Allgemeinen die handwerkliche Gestaltung von Natursteinen beinhaltet, reicht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Die frühesten erhaltenen Darstellungen stammen aus dem alten Ägypten und zeugen von hoher Kunst. Das Mittelalter allerdings lässt sich als die Blütezeit der europäischen Bildhauerei (Stein- und Holz­bildhauerei) bezeichnen. Zahlreiche in dieser Zeit entstandene Illustrationen, wie zum Beispiel das Buch „Triompho di Fortuna“ des italienischen Ingenieurs Sigismondo Fanti, veranschaulichen meist auf einem liegenden Steinblock kniende und mit Meissel und Schlegel lebensgrosse Gestalten aus­schlagende Steinbildhauer.

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Diesen Illustrationen und zahlreichen zu dieser Zeit entstandenen Meis­terwerken kann des Weiteren entnommen werden, dass nördlich und südlich der Alpen im ausge­henden Mittelalter sowohl Holz- wie auch Steinskulpturen aus liegenden Werkblöcken herausges­chlagen wurden. Ein liegender Werkblock erscheint dem heutigen Betrachter zwar ungewöhnlich, dennoch hielt diese Arbeitsperspektive die Bildhauer des 15. und 16. Jahrhunderts nicht davon ab, zahllose Kunstwerke mit Hilfe dieser Technik zu schaffen. So konnte der in der Bildhauerwerkbank waagrecht eingespannte Werkblock während der Arbeit mit wenig Kraftaufwand nach allen Seiten beliebig gedreht werden. Die Bildhauerwerkbank gehörte ca. 200 Jahre lang zur üblichen Ausstattung der Bildhauerwerkstätte im deutschen Raum. Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Skulptieren eines liegenden Werkblocks erstmals in Frage gestellt, da die spätbarocken Skulpturen sich selten aus einem einzigen Werkblock ausformen liessen. Die technische Lösung dazu bestand zunächst in einer Werkbankschraube, die sich durch die Platte der Tischlerbank in die Standfläche der nun aufrechten Figur drehen und durch eine Flügelschraube wieder lösen liess. Mit der Entwicklung weiterer technischer Möglichkeiten im Zuge der Industrialisierung kamen bei der Grobbearbeitung des Steins weitere moderne Maschinen zum Einsatz, wie zum Beispiel Steinfräsmaschinen, Trenn­scheiben, Presslufthämmer, Schleifmaschinen und andere leistungsfähige Diamant- und Hartmetall­werkzeuge sowie Punktiergeräte. Feinbearbeitungen und auch Restaurationsarbeiten hingegen wur­den und werden in Handarbeit mit viel Geschick und mittels traditionellen Werkzeugen wie Hammer, Meissel, Setzer, Schlageisen, Spitzeisen, Stockhammer sowie Handfäustel vorgenommen.

Die Steinbildhauerei ist demnach ein ausgesprochenes Kunsthandwerk, dessen Beherrschung hand­werkliche und künstlerische Begabung gleichermassen voraussetzt. Von angehenden Steinbildhau­ern, die zumeist in Steinbildhauerateliers und in der Steinindustrie tätig sind, werden insbesondere Geduld und Ausdauer, gutes räumliches Vorstellungsvermögen und gestalterische Begabung sowie Kreativität verlangt. Die Ausbildung zum „Steinbildhauer/in EFZ“ dauert vier Jahre.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Steinbildhauerin.

 

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Literatur

Von Uhlmann Arnulf: Meisterhafte Skulpturen. Bildhauerkunst und innovative Technik, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 173-184.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Steinbildhauer/in, abgerufen am 13.03.2018.


Gefährdung
Geringer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
23 Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden
2370 Be- und Verarbeitung von Naturwerksteinen und Natursteinen a. n. g.

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Steinbildhauer/in EFZ (Berufsfeld Steinbearbeitung)

Fachrichtung

Berufsnummer 39203

Lernende 48

Grundausbildung:
Verband Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister VSBS
Birkenweg 38
3123 Belp
Tel.: +41 31 819 08 20
E-Mail: vsbs@vsbs.ch
www.vsbs.ch/index.php/steinberufe/steinbildhauer-in-efz

Stiftung Bildhauerschule Müllheim
Bahnhofstrasse 12
8555 Müllheim Dorf
Tel.: +41 52 763 32 32
E-Mail: info@bhsm.ch
www.bildhauerschule.com

Weiterbildung:
Handwerk in der Denkmalpflege
Der zweijährige berufsbegleitende Lehrgang führt zum Eidgenössischen Fachausweis Handwerker/in in der Denkmalpflege, Fachrichtung Naturstein.
Der nächste Lehrgang beginnt im März 2017, Anmeldeschluss 15. Januar 2017.
E-Mail: info@handwerkid.ch
www.handwerkid.ch

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg
Diverse Kurse in Steinbearbeitung, Niveau Anfänger bis Fortgeschrittene.
Für aktuelle Kurse s. Rubrik "Stein".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

Kontakt

Verband Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister VSBS
Birkenweg 38
3123 Belp
Tel.: +41 31 819 08 20
E-Mail: vsbs@vsbs.ch
www.vsbs.ch

Association romande des métiers de la pierre ARMP
Rue du Lac 2
1094 Paudex
Case postale 1215
1001 Lausanne
Tel.: +41 58 796 33 72
E-Mail: info@armp.ch
www.armp.ch

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