Sodmacher/in

Ein Sod, respektive ein Sodbrunnen, war ein Schachtbrunnen, mit dem Regen- und Sickerwasser ein­gefangen und mittels einer einstöckigen Puppe, in der sich meist ein ledernes bzw. eisernes Rück­schlagventil befand, befördert wurde. Wann die ersten Sodpumpen eingesetzt wurden, lässt sich nicht genau datieren. Als gesichert gilt allerdings, dass die Sodmacher[1] im Verlaufe der Zeit auch et­was komplexere Puppen, wie z.B. die aus einem Saug- und Pumpenstock bestehenden Jauchepum­pen[2], herstellten. Die von den Sodmachern eingesetzten Holzpumpen gelten als die Vorläuferinnen der modernen Pumpe. Diese hingegen blieb dem Sodmacher verwehrt, denn sein Handwerk gehörte bereits zu den ausgestorbenen Berufen als Hans Marti und Paul Hugger 1967 ihren Film über den Sodmacher (Brun­nenmacher), der sich auch als Tüchelbohrer betätigte, drehten.

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Heute erinnern vielerorts nur noch die erhaltenen und aufbewahrten riesigen Tüchelbohrer sowie hie und da an die Erdoberfläche tretende Überreste noch im Boden befindlicher Holzleitungen an dieses ehemals so elementare, lebensnotwendige und universal ausgeübte Handwerk, welches be­reits die Römer ausübten. Steinerne Wasserleitungen und ausgedehnte Brunnanlagen kannten auch die alten Griechen, im 2. Jahrhundert vor Christus.

Heute sind diverse Methoden des Brunnenbaus bekannt und obschon es in Europa gegenwärtig zahlreiche Wege gibt um an sauberes Trinkwasser zu gelangen, ist die Hand­werksbezeichnung Brunnenbauer bzw. Brunnenmeister im deutschen Sprachraum weiterhin ge­bräuchlich. So sind heute in der Schweiz nach der Absolvierung eines sechsmonatigen Lehrgangs die Brunnenmeister für den Betrieb, die Überwachung sowie den Unterhalt von Wasserversorgungsan­lagen zuständig (vgl. hierzu den Eintrag zu Brunnenbauer/in).

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Sodmacherin.

[2] „Besonders Leistungsfähige Pumpen wiesen sogar zwei Saugstöcke auf. Der Saugstock war mit dem Pumpen­stock durch den sogenannten „Becher“ verbunden, eine kurze Holzröhre, durch welche die Jauche floss, wenn sich der Hebestöpsel und die Ventile bewegten. Diese bestanden aus dickem Sohlenleder. Der Sodmacher kaufte es beim Schuhmacher oder Lederhändler, schnitt es zu und nagelte es fest“ (Hugger, 1968, S. 9).

 

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Literatur

Baur Albert: Brunnen. Quelle des Lebens und der Freude. München & Wien 1989.

Maissen Alfons: Die hölzerne Wasserleitung, in: Sache, Ort und Wort. Jakob Jud zum sechzigsten Geburtstag, Romanica Helvetica 20, Genf/Zürich 1943, S. 49-98.

Marti Hans und Hugger Paul: Der Sodmacher, in: Hugger Paul (Hg.): Sterbendes Handwerk, Heft 18, Basel 1968.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Brunnenbaumeister/in, abgerufen am 10.09.2018.


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
< 5
42 Tiefbau
4221 Rohrleitungstiefbau, Brunnenbau und Kläranlagenbau

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Kontakt

Schweizerischer Brunnenmeister-Verband
Allmendstr. 15
6062 Wilen (Sarnen)
Tel.: +41 41 660 71 85
www.brunnenmeister.ch
E-Mail: sekretariat@brunnenmeister.ch

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