Sensenmäher/in

Sensenmäherinnen und Sensenmäher schneiden Gras, mitunter auch Getreide mithilfe einer Sense. Neben dem eigentlichen Mähen und Einbringen der Ernte gehört zu ihrer Arbeit auch der regelmässige Unterhalt der Sense.

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Die Sense

Die Sense besteht aus dem charakteristisch geschwungenen Sensenblatt, das meist aus Stahl geschmiedet wird (→ Sensenschmied), und dem hölzernen Stiel, dem sogenannten Sensenbaum. Form und Grösse des Sensenblattes sind abhängig von der Art der zu mähenden Wiese: Für Fettwiesen benützt man breite, lange Sensenblätter, für Mager- und Bergwiesen schmale und kurze.

Der Stiel hat zwei Griffe; für einen Rechtshänder befindet sich am oberen Ende der Handgriff für die Linke, in der Mitte, ungefähr auf Hüfthöhe des Sensenmähers[1], der Griff für die Rechte.

 

Das Mähen mit der Sense

Die Sense wird in halbkreisförmigem Schwung durch das Gras geführt. Das Sensenblatt wird so am Stiel befestigt, dass es beim Schwung stets Bodenkontakt hat, während die Schneide leicht nach oben weist und den Boden nicht berührt. Das Gras wird also leicht schräg von unten geschnitten. Nach jedem Schwung bewegt sich der Mäher ein paar wenige Zentimeter vorwärts – gerade so weit, dass am Ende die gesamte Wiesenfläche gleichmässig geschnitten ist. Dafür braucht es einiges an Erfahrung und Übung.

Der Zeitpunkt der Mahd entscheidet über Menge und Qualität des Heus. Grundsätzlich gilt: frühe Mahd – hohe Qualität, geringe Menge; späte Mahd – geringe Qualität, grosse Menge. Dient das Heu als Tierfutter, wird man also versuchen, das Gras möglichst früh zu schneiden. Idealerweise beginnt man zu mähen, sobald diejenigen Gräser, die den Hauptanteil des Futters ausmachen, zu blühen beginnen.

Das frisch gemähte Gras muss getrocknet werden, ehe es auf dem Heuboden eingelagert werden kann. Verschiedene Trocknungsmethoden sind möglich:

Bodentrocknung ist arbeitsaufwendig und wetterabhängig. Hierbei wird das Gras nach dem Mähen zum Trocknen auf der Wiese verteilt und am Abend zu Schwaden zusammengerecht. Am nächsten Morgen wird es erneut verteilt, am Abend wieder zusammengerecht, etc. Bei durchgehend trockenem und sonnigem Wetter ist das Gras am Nachmittag des dritten Tages zu Heu getrocknet und kann eingesammelt werden.

In regenreichen Regionen ist Trocknen auf Heureitern nicht nur die effizientere, sondern häufig auch die einzige Möglichkeit der Heugewinnung. Heureiter sind Holzgestelle, welche das Gras vom Boden fernhalten und eine Schichtung ermöglichen, durch die es einerseits dem Wind möglichst ausgesetzt, andererseits vor Durchnässung bei Regen weitgehend geschützt ist.

 

Pflege und Unterhalt der Sense

Durch das Mähen wird die Schneide der Sense allmählich stumpf. Sie muss im Laufe eines Arbeitstages regelmässig nachgeschärft werden. Dies geschieht mittels eines Wetzsteins, den der Sensenmäher stets bei sich hat. Vor dem Wetzen werden Erde und Pflanzenrückstände vom Sensenblatt entfernt. Danach fährt man mit dem Wetzstein in kurzen Strichen und mit nur leichtem Druck der Schneide entlang, abwechselnd auf der Ober- und auf der Unterseite.

Am Ende jedes Mähtages muss das Sensenblatt gesäubert werden. Da die Schneide durch Mähen und Wetzen abgenutzt und gelegentlich auch durch Steine oder Baumwurzeln verbeult oder beschädigt wird, folgt auf die Säuberung das Dengeln. Beim Dengeln wird die Kante der Schneide auf einem Amboss kalt gehämmert. Dadurch werden Unebenheiten ausgeglichen, und die Schneide wird gehärtet und geschärft.

Vor der Einlagerung im Winter wird das Sensenblatt gründlich gereinigt, getrocknet und gefettet.

 

Geschichte

Vorläufer der Sense und während Jahrtausenden das wichtigste Mähgerät war die Sichel. Die ersten sichelartigen Werkzeuge, Feuersteinklingen mit Holzgriffen, lassen sich bereits für die Jungsteinzeit nachweisen. Sicheln mit metallenen Schneiden tauchen in der Bronzezeit auf (→ Kupferschmied, Schmied). Mit der Sichel lässt sich Gras und Getreide nur büschelweise ernten, die schwere und spröde Bronze war aber für grössere Mähwerkzeuge schlecht geeignet. Sensen und sensenartige Geräte kamen daher erst in der Eisenzeit auf, die in Mitteleuropa ca. im 8. Jahrhundert v. Chr. begann. Die frühen Sensen wurden ausschliesslich für die Grasmahd verwendet. Sie waren kurzstielig, Mähen war nur in gebückter Haltung möglich. Die ersten echten Sensen wurden in der Latène-Zeit (ca. 480-30 v. Chr.) von den Kelten entwickelt. Dass dies im Alpenraum geschah, war kein Zufall: In den kälteren Regionen war Getreideanbau nur eingeschränkt möglich, zudem musste das Vieh im Winter gefüttert werden. Hier musste also Gras in grossen Mengen geschnitten werden. Dies geht mit der Sense viel effizienter und kräftesparender als mit der Sichel. Die Sense verbreitete sich in Nordeuropa und wurde kontinuierlich weiterentwickelt.

Für die ersten nachchristlichen Jahrhunderte sind Zeugnisse für den Gebrauch der Sense rar. Einzelne Schriftquellen berichten von Bauern, die mit Sensen ins Feld ziehen, so beispielsweise ein Manuskript aus Salzburg, das auf ca. 800 datiert wird. Ab Mitte des 10. Jahrhunderts werden Abbildungen allmählich häufiger, auf denen Bauern mit Sensen zu sehen sind. An ihnen lassen sich die Veränderungen der Bauweise einigermassen nachverfolgen: Aus den Bildern lässt sich schliessen, dass die Sense in ihrer heutigen Form ungefähr im 12. Jahrhundert entwickelt wurde.

Jahrhundertelang war die Sense DAS Erntegerät für Gras. Getreide wurde aber in manchen Regionen noch lange Zeit mit der Sichel geschnitten. Die Weizenernte in Südengland beispielsweise erfolgte noch Ende des 18. Jahrhunderts beinahe vollständig mit der Sichel, erst danach begann sich die Sense allmählich durchzusetzen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in England die ersten Mähmaschinen entwickelt. Der Sensenmäher konnte mit ihnen nicht mithalten. In den grossen Landwirtschaftszonen des Flachlands starb der Sensenmäher europaweit praktisch aus. Nur in unzugänglichem Gelände – Berggebieten oder Kleinflächen mit unregelmässiger Topographie –, wo maschinelle Bearbeitung schwierig oder gar nicht möglich ist, blieb die Sense konkurrenzfähig (→ Wildheuer). Hier kann man in den Erntemonaten auch heute noch Sensenmäher antreffen.

[1] Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Lorez Christian: Bauernarbeit im Rheinwald. Der Wildheuet, in: Hugger Paul (Hg.): Altes Handwerk, Heft 44, Basel 1979.

Miller Ian: Das Sense-Handbuch. Richtig dengeln, wetzen, mähen und ernten, Bern 2017.

Osterhammel Jürgen: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009.


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
01 Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten
0161 Erbringung von landwirtschaftlichen Dienstleistungen für den Pflanzenbau

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

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Hauptstrasse 11
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