Seiler/in

Seiler/innen stellen Seile aus Naturfasern (zum Beispiel Hanf, Sisal, Baumwolle, Jute), Kunstfasern (zum Beispiel Polypropylen) und Draht her. Die Seile kommen in verschiedensten Bereichen zum Einsatz – von Seilbahnbau und Transportwesen über Land- und Forstwirtschaft bis zu Maschinenindustrie und Medizin. Daneben verarbeitet der Seiler* seine Primärprodukte auch weiter zu Spezialanfertigungen wie Fallschutznetzen für die Bauwirtschaft oder Spielplatzgeräten. Der Arbeitsprozess beinhaltet Planung und Entwicklung der Produkte, Verarbeitung und Veredelung der Fasern sowie Qualitätsprüfung auf allen Stufen. Handarbeit und maschinelle Arbeit ergänzen sich.

mehr lesen

Das Handwerk des Seilers ist heute eine Fachrichtung innerhalb des Berufes des Textiltechnologen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und schliesst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis „Textiltechnologe EFZ, Fachrichtung Seil- und Hebetechnik“.

 

Geschichte

Die Herstellung von Seilen oblag früher zwei getrennten Handwerken: den Seilern und den Reepschlägern oder Reepern. Seiler waren überwiegend im Binnenland tätig und produzierten dünnes Seilwerk für den lokalen Bedarf, wie Bindfäden, Schnüre, Wäscheleinen, Glockenstränge, Halfter, Gurte etc. Reepschläger dagegen waren in den Küstenstädten zu finden und fertigten schweres Seilwerk für die Schifffahrt, zum Beispiel Ankertaue, Lotleinen und Taue für die Takelage. Das Gewerbe der Seiler wurde bis ins Spätmittelalter überwiegend von Bauern oder allenfalls als Wanderhandwerk betrieben und blieb auch nach der erst spät erfolgten Zunftbildung ausgesprochen kleinbetrieblich. Die Reeper dagegen beschäftigten zahlreiche Hilfskräfte und deckten nicht nur den Bedarf der lokalen Reedereien, in deren Lohn sie häufig standen, sondern produzierten darüber hinaus auch für den Export.

Ausgangsmaterial für Seilerprodukte jeglicher Art war Hanf oder Flachs. Bevor er verarbeitet werden konnte, musste der Hanf auf dem Schwingbock von Holzteilen befreit und anschliessend gehechelt werden. Beim Hecheln wurden die Fasern durch eine Art Metallkamm, die sogenannte Hechel, gezogen, wodurch sie gespalten, geglättet und gereinigt wurden und kurze von langen Fasern getrennt werden konnten. Danach wurden sie auf der Seiler- bzw. Reeperbahn zum Faden, der kleinsten Produktionseinheit, versponnen. Das Spinnrad wurde vom Lehrling oder einem Gehilfen angetrieben; der Faden wurde gesponnen, indem sich der Seiler, der den Hanf auf sich trug, rückwärtsgehend vom Rad weg bewegte und kontinuierlich Hanffasern in den entstehenden Faden einspeiste. Seilerbahnen waren bis zu 50 Meter lang, Reeperbahnen konnten dagegen eine Länge von bis zu 400 Metern erreichen. Zwei oder mehr gesponnene Fäden wurden mithilfe des Seilerrades zur Schnur oder Litze gedreht, zwei oder mehr Schnüre wiederum zu Seilen. Für die schweren Taue der Reepschläger wurde hierfür das zahnradgetriebene Seiler- oder Stranggeschirr verwendet.

Die Konkurrenz durch Maschinen begann im Seiler-Handwerk ab Mitte des 19. Jahrhunderts fühlbar zu werden. Spinnmaschinen ersetzten den Kernprozess der Seiler-Arbeit und ermöglichten die industrielle Produktion von Fäden. Das Aufkommen von Drahtseilen, Ketten und Kunstfasern drängte das Handwerk weiter zurück. Diese Entwicklungen führten dazu, dass sich die Tätigkeiten und Produkte der Seiler und Reeper einander zunehmend annäherten und die beiden ursprünglich getrennten Handwerke schliesslich miteinander verschmolzen.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

Artikel als PDF

 

Literatur

Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Textiltechnologe EFZ/Textiltechnologin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=1010&lang=de, abgerufen am 18.08.2014.

Kurszentrum Ballenberg & Schweizerischer Gewerbeverband sgv (Hg.): Die Jungen Schweizer Macher: Handwerk 2014. Handwerk 1/2014, Sonderausgabe Swissskills Bern 2014, S. 42-43. PDF

Mielke Heinz-Peter: Seiler und Reepschläger, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 188-193.

Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 1994, S. 304-308.


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
10 - 15
13 Herstellung von Textilien
1394 Herstellung von Seilerwaren

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Textiltechnologe EFZ

Fachrichtung Seil- und Hebetechnik

Berufsnummer 26304

Lernende 8

Swiss Textiles
Textilverband Schweiz
Bildung & Nachwuchsförderung
Beethovenstrasse 20
Postfach
8022 Zürich
Tel.: +41 44 289 79 79
E-Mail: info@swisstextiles.ch
www.textilberufe.ch

Schweizerische Textilfachschule STF
Hallwylstrasse 71
8004 Zürich
Tel.: +41 44 360 41 51
E-Mail: info@stf.ch
www.stf.ch

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg:
Im Kurs "Seilerei - Einführung in die Geheimnisse der Seilerei" lernen die Teilnehmer, geflochtene und gedrehte Seile herzustellen. Der nächste Kurs findet im September 2016 statt.
Für weitere Kurse zu verwandten Themen s. Rubrik "Specials".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

Kontakt

Swiss Textiles
Textilverband Schweiz
Beethovenstrasse 20
Postfach 2900
8022 Zürich
Tel.: +41 44 289 79 79
E-Mail: info@swisstextiles.ch
www.swisstextiles.ch

Bilder

Videos

Berufsbild "Textiltechnologe/-in EFZ - Seil- und Hebetechnik", www.berufskunde.com

Ähnliche Berufe