Schreiner/in mit Handwerkzeugen

Die Schreiner[1] sind nach einer vierjährigen Ausbildung neben der Sanierung von alten Holzbauten und der Herstellung von Möbeln, Einbauküchen, Türen, Fenstern auch für die Produktion von Holzrä­dern, Leiterwagen sowie Ski zuständig. Das Schneiden, Hobeln, Bohren, Fräsen und Schleifen an gros­sen stationären Maschinen und computergesteuerten CNC-Bearbeitungszentren gehört dabei zu ih­ren Haupttätigkeiten. Die Antikschreiner dagegen, die am ehesten der Handwerksbezeichnung „Schreiner mit Handwergzeugen“ entsprechen, nehmen Reparaturen und Restaurierungen an antiken Möbeln vorwiegend von Hand oder mit kleinen Geräten (z.B. Fräsen, Bandschleifmaschinen, Hobelmaschinen) vor. Zur Erhaltung der Möbelstücke in ihrer alten Form setzen sie meist alte Hölzer und verschiedene manuelle Arbeitstechniken ein. Die entsprechenden Arbeitstechniken werden allerdings meist „on the job“ in Begleitung eines Selbststudiums in Kunstgeschichte, Stilkunde und alten Techniken erlernt.

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Dadurch, dass es in der Schweiz keine einheitliche Ausbildung zum Antikschreiner besteht, gibt es nach einer beruflichen Grundbildung als Schreiner EFZ mit Berufsmaturität lediglich im Ausland die Möglichkeit eines Fachhochschulbesuches in Restaurierung und Konservierung von Möbeln und Holzobjekten. Hierzulande werden lediglich Modulkurse in Möbelrestaurierung- und Konservierung angeboten, und zwar von einzelnen Anbietern, wie z.B. dem Verband Luzerner Schreiner und dem Kurszentrum Ballenberg.

Anders erging es den Schreinern der Antike. Zu dieser Zeit widmeten sich zahlreiche Handwerker, der Möbelbaukunst. Im Frühmittelalter hingegen begnügte man sich mit einer eher bescheidenen Innen­einrichtung, die in der Regel von den Zimmerleuten mittels Breitbeil, Queraxt und Ziehklinge vorge­nommen wurde. Bereits im 12. Jahrhunderts allerdings stiegen sowohl die Ansprüche als auch die Anzahl der Handwerker die sich fortan mit erweitertem Werkzeugbestand und neunen Konstruk­tionsprinzipien[2] der Möbelproduktion annahmen. Unter den zur dieser Zeit vorhandenen Vielfalt an Handwerksnamen im Rahmen der holzverarbeitenden Berufe, wie z.B. Zahltischmacher, Vertäfe­lungsmacher und Truhenmacher, waren es im Osten des deutschen Sprachraums der Tischler und im Westen und Süden der Schreiner, die sich im 15. Jahrhundert etablierten. Mit der Wiederentdeckung antiker Konstruktionsprinzipien und der Verwendung von Leim als Holz­verbindungswerkstoff im darauffolgenden Jahrhundert konnten sich die Schreiner endgültig vom einfacheren und universellen Holzhandwerk abgrenzen.

Ein weiterer entscheidender Wandel erfolgte schliesslich im Zuge der Industrialisierung, als die Mö­belproduktion zusehends der Industrie zufiel. Daraufhin fand allmählich eine Ausdehnung auf den Bausektor, so dass heute durch den Einsatz von computergesteuerten Maschinen und die Verarbei­tung diverser Materialien (Kunststoffe, Metalle und etliche maschinell erzeugte Holzersatze) der Aus­sen- und Innenausbau zum grundlegenden Arbeitsbereich der Schreiner gehört. So weisen die Schreiner mit Schwerpunkt „Möbel und Innenausbau“ eine Spezialisierung in der Herstellung von Einzelmöbeln und deren Montage und weiteren Innenausbauten, während für die Fertigung und Montage von Bauteilen, wie Kücheneinrichtungen, Wand- und Deckverkleidungen, Türen, Fenstern, Schrank- und Korpus-Elemente in der Regel Schreiner mit Schwerpunkt „Bau und Fenster“ beschäftigt werden. Schreiner der Fachrichtung „Wagner“ kennen sich insbesondre mit der Herstellung und Reparatur von Fahrzeugteilen, wie Deichseln, Leiterwagen, Spiel- und Sportgeräte sowie Holzgeräte für die Landwirtschaft und den Haushalt aus. Eine weitere Fachrichtung bildet der Skibau, wonach neben der Herstellung von Ski und Snowboards auch entsprechende Servicearbeiten ausgeführt werden.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Schreinerin mit Handwerkzeugen.

[2] „Charakteristisch für die neunen Möbel in Rahmen-Füllungs-Bauweise war, dass die ungegliederten grossen Brettflächen, die ehemals als tragende Bestandteile der Konstruktion entsprechend dick sein mussten, nun nur noch „raumabschliessend“ zwischen die stärkeren Rahmenhölzer eingenutet wurden“ (Kaiser, 2008, S. 212).

 

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Literatur

Kaiser Hermann: Schreiner, Tischler, Ebenisten, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 211-217.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Schreiner/in EFZ, abgerufen am 22.06.2018.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Antikschreiner/in, abgerufen am 16.07.2018.


Gefährdung
Geringer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
16 Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)
162302 Schreinerarbeiten im Innenausbau

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Die Grundausbildung zum Schreiner/zur Schreinerin EFZ wird an folgenden Standorten angeboten:

 

VSSM Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten
Gladbachstrasse 80
8044 Zürich
Tel.: +41 44 267 81 00
E-Mail: berufsbildung@vssm.ch
www.vssm.ch

 

Stiftung LBB Lehrbetriebe Basel
Nonnenweg 68
Postfach
4012 Basel
Tel.: +41 61 295 24 44
E-Mail: schreinerei@lbb.info
www.lbb.info

 

Technische Fachschule Bern
Standort Felsenau
Felsenaustrasse 17
3004 Bern
Tel.: +41 31 337 37 06
E-Mail: info@tfbern.ch
www.tfbern.ch

 

Engadiner Lehrwerkstatt für Schreiner
Promulins 14
7503 Samedan
Tel.: +41 81 851 09 90
E-Mail: schreiner@lehrwerkstatt.ch
www.lehrwerkstatt.ch

 

LWZ Lehrwerkstätte für Möbelschreiner
Gerechtigkeitsgasse 12
Postfach
8001 Zürich
Tel.: +41 44 287 22 00
E-Mail: info@bbzlw.ch
www.bbzh.ch/lwz

 

Weiterbildung
Handwerk in der Denkmalpflege
Der zweijährige berufsbegleitende Lehrgang führt zum Eidgenössischen Fachausweis Handwerker/in in der Denkmalpflege, Fachrichtung Möbel/Innenausbau.
E-Mail: info@handwerkid.ch
www.handwerkid.ch

 

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg
Diverse Kurse in Schreinerei und Holzbearbeitung, Niveau Anfänger bis Fortgeschrittene.
Für aktuelle Kurse s. Rubrik "Holz".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

Kontakt

Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM
Gladbachstrasse 80
8044 Zürich
Tel.: +41 44 267 81 00
E-Mail: info@vssm.ch
www.vssm.ch

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