Schmied/in

Schmiede und Schmiedinnen bearbeiten verschiedene Metalle, hauptsächlich Stahl, in erhitztem Zustand und stellen zum Beispiel Werkzeuge, Geräte für die Land- und Forstwirtschaft, Tür- und Fenster­gitter oder Zierobjekte wie Kerzenständer und Leuchter her. Sie führen auch Reparaturen aus. (Das Herstellen von Hufeisen und Beschlagen von Pferden, früher integraler Bestandteil der Arbeit von Schmieden* insbesondere in ländlichen Gebieten, wird heute in der Regel vom eigens darauf spezialisierten Huf­schmied durchgeführt.

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Als „Schmieden“ bezeichnet man die mechanische Bearbeitung und Verformung eines erwärmten oder erhitzten Metalls. Die Erwärmung bewirkt eine Lockerung des festen Metallgefüges, so dass die Metallatome gegeneinander verschoben werden können, ohne dass das Metall bricht. Der Schmied beherrscht verschiedene Techniken der Warmverformung von Metallen.

Sein wichtigstes Rohmaterial ist Stahl: Als Stahl bezeichnet man Eisen, das sich durch Schmieden bearbeiten lässt. Diese Bedingung ist keineswegs für jedes beliebige Stück Eisen erfüllt: Damit Eisen geschmiedet werden kann, darf der Anteil an Kohlenstoff maximal 1,7% betragen. Roheisen enthält meist 3-5% Kohlenstoff. Durch Entzug von Kohlenstoff, dem sogenannten „Frischen“, wird Roheisen in Stahl umgewandelt.

Traditionelle Attribute des Schmieds sind Feuer, Amboss, Hammer und Zange – das Schmiedeeisen wird in der Esse zum Glühen gebracht und daraufhin mit dem Hammer auf dem Amboss bearbeitet. Heute kommt beim Schmieden von Stahl vielfach auch der Dampfhammer zum Einsatz. Nach dem Schmieden werden die Werkstücke im Schraubstock mit Säge, Meissel, Feile, heute auch mit Bohr- und Schleifmaschinen weiter bearbeitet. Häufig müssen einzelne Metallteile zu einem fertigen Gan­zen verbunden werden. Dies kann zum Beispiel durch Schrauben, Vernieten, Schweissen, Löten, Pressen oder auch Kleben geschehen.

Das Handwerk des Schmiedes ist heute in der Schweiz als eine von drei Fachrichtungen in den Beruf des Metallbauers integriert. Die Ausbildung zum Metallbauer, Fachrichtung Schmiedearbeiten dauert vier Jahre und schliesst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis. Vom zukünftigen Metallbauer wer­den handwerkliches Geschick und Freude an der Bearbeitung von Metall erwartet. Eine stabile kör­perliche Konstitution ist unabdingbar.

 

Geschichte

Der Übergang von der Steinzeit zu den Metallzeiten begann von ca. 7000 v. Chr. an in Westasien. Das erste Metall, das durch Treiben und Schmieden bearbeitet wurde, war Kupfer, bald gefolgt von der Kupfer-Zinn-Legierung Bronze. Ab ca. 3000 v. Chr. war es möglich, Meteoreisen zu verarbeiten; ca. um 1000 v. Chr. gelang es schliesslich auch, Eisen durch Verhüttung aus Eisenerzen zu gewinnen. Das härtere und billigere Eisen verdrängte in der Folge die Bronze allmählich in vielen Bereichen, vor allem in der Herstellung von Waffen und Gebrauchsgegenständen des Alltags.

Während in der Bronze-Bearbeitung bereits sehr früh neben Treiben und Schmieden verschiedene Guss­verfahren traten [Bronzegiesser], blieb der Werkstoff Eisen mit seiner viel höheren Schmelz­tem­peratur lange Zeit den Schmieden vorbehalten.

Das Handwerk des Schmiedes ist der älteste Beruf der Menschheit: Während sämtliche anderen Tä­tig­keiten (zimmern, töpfern, backen, gerben etc.) grundsätzlich von jedermann ausgeübt werden konn­ten, benötigte der Schmied spezifische Werkzeuge und spezifische Kenntnisse. Als Beherrscher des Feuers und Hersteller von überaus wertvollen und machtverleihenden Gegenständen wie Schwer­tern und anderen Waffen oder wichtigen landwirtschaftlichen Geräten wie Pflügen hatte er innerhalb seiner Gemeinschaft eine herausragende Stellung inne. Schmiede genossen deshalb von jeher hohes Ansehen.

Die Schmiedekunst erreichte in Europa bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. höchste Blüten, im Mittel­meer­raum im antiken Griechenland und Rom, weiter im Norden bei den Kelten. Schon früh kam es, vor allem in urbanen Gebieten, zu einer Spezialisierung und Aufsplitterung des Schmiedehandwerks in einzelne Teilbereiche: An die Stelle des ursprünglichen Universal-Schmieds traten Schwert­schmie­de, Helmschmiede, Werkzeugschmiede, Wagenschmiede und viele mehr. Ebenso erfolgte sehr früh eine Spezialisierung auf jeweils einen oder wenige Werkstoffe, zum Beispiel auf Gold [Gold­schmied], Silber [Silberschmied] oder Kupfer/Bronze [Kupferschmied].

Nach dem Untergang des römischen Reiches setzte in Europa in der Schmiedekunst ein Niedergang ein. Erst ab dem 10./11. Jahrhundert lässt sich ein neuer Aufschwung in der Verarbeitung von Eisen feststellen. Im 13. Jahrhundert bilden sich auch erneut zahlreiche spezialisierte Schmiedeberufe heraus, z.B. Grobschmiede, Kleinschmiede, Nagelschmiede, Drahtschmiede, Blechschmiede, Klingen­schmiede, Messerschmiede – die Zahl verschiedener Schmiedeberufe entspricht der enorm umfang­reichen Produktepalette.

Um die Grobschmiede, die Hersteller der wichtigsten Werkzeuge und landwirtschaftlichen Geräte, rank­ten sich im Mittelalter zahlreiche Sagen, zum Teil wurden ihnen auch magische Kräfte zuge­schrie­ben, zum Beispiel Heilkräfte oder Macht über den Teufel. Auch das Gegenteil kam vor: Die vom Feuer verrussten Schmiede wurden mit schwarzer Magie in Verbindung gebracht und ihr Handwerk als Verstoss gegen die göttliche Ordnung betrachtet. So oder so war der Schmied durch alle Jahr­hun­derte hindurch eine Ge­stalt, die innerhalb der Gemeinschaft eine Sonderstellung innehatte.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts erfolgte die Verarbeitung von Eisen in Europa beinahe aus­schliess­lich durch Schmieden, da die hohe Schmelztemperatur die Gewinnung von flüssi­gem Eisen erschwerte und einen praktikablen Eisenguss verhinderte. Im 17./18. Jahrhundert wurde in England durch die Ersetzung der Holzkohle durch Steinkohlenkoks in den Hochöfen die Verhüt­tungs­technik entscheidend weiterentwickelt. Nun konnten wesentlich höhere Temperaturen erzielt werden. Damit war wiederum die Voraussetzung geschaffen für die Entwicklung der modernen Gies­sereitechnik. Die neuen Giessverfahren brachten das Schmiedehandwerk in Bedrängnis, da es nun mög­lich war, Werkstücke auf einfache Weise in Serien herzustellen. Für weiteren Druck auf das Hand­­werk sorgte die im 19. Jahrhundert einsetzende industrielle Produktion von Werkzeugen und Geräten in Fabriken.

Giessverfahren und industrielle Produktion verdrängten im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts die alte handwerkliche Schmiedetechnik aus vielen Bereichen. Veränderte Lebensumstände sorgten für das Verschwinden vieler spezialisierter Schmiedeberufe, so zum Beispiel von Ringpanzerschmied, Hau­benschmied und Harnischschmied.

Dennoch ist das Schmiedehandwerk bis heute in seinem Bestehen nicht akut gefährdet. Schmiede wer­den nach wie vor benötigt, für qualitativ höchstwertige Arbeiten, für Einzel- und Spezialan­ferti­gun­gen, für Reparaturen, und nicht zuletzt für Kunstobjekte. Kunstvolle Gitter, Tore, Türklopfer, Kan­delaber etc. werden schon seit dem Mittelalter geschmiedet; heute besteht darüber hinaus auch eine nicht geringe Nachfrage nach Skulpturen und anderen Kunstwerken aus geschmiedetem Eisen. Dies hat dazu geführt, dass viele Schmiede ihr Handwerk auch oder sogar ausschliesslich als Kunst­handwerk betreiben [Kunst­schmied].

* Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Metallbauer EFZ / Metallbauerin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=739&lang=de, abgerufen am 13.12.2015.

Fitzenreiter Martin et al. (Hg.): Gegossene Götter. Metallhandwerk und Massenproduktion im alten Ägypten, Rahden/Westf. 2014.

Freivogel Max, Zandonella Valentin: Eisen – Schmiedehandwerk, Kunsthandwerk, Kunst, Schaffhausen 1976.


Gefährdung
Geringer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
25 Herstellung von Metallerzeugnissen
2550 Herstellung von Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteilen, gewalzten Ringen und pulvermetallurgischen Erzeugnissen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Metallbauer/in EFZ

Fachrichtung Schmiedearbeiten

Berufsnummer 44504

Lernende 41

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