Pechsieder/in

Die Pechsieder[1] waren für die Gewinnung von Harz zuständig. Ihre Arbeit begann allerdings erst nachdem das von den Pechlern (auch Pecher, Harzscharrer, Pechhauer) eingesammelte Harz in die dafür vorgesehenen Pechhütten transportiert wurde. Beim Einsammeln des Harzes wurde zunächst der Stamm eines Baumes (zumeist Fichten und Kiefern) bis zu einem bestimmen Masse entrindet, um daraufhin dieses in v-förmigen Kerben einzuschlagen. Das aus den Kerben herausquellende Harz wurde schliesslich mittels Leitspänen in entsprechende Töpfe gleitet, die dann in einer bestimmten Sammelstation in Holzfässern entleert wurden.

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Mit dem Transport der Holzfässer in die Pechhütte endete die Arbeit des Pechlers und die des Pechsieders konnte beginnen. In den Pechhütten wurde das auf diese Weise gewonnene Harz mittels Hitze vom Wasser und Pechöl getrennt, so dass es sich nunmehr gut als Schiffs- Schuster- und Pichpech[2] oder auch zur Herstellung von Terpentinöl, Geigenharz, Heilsalben, Wagenschmieren sowie Schuh- und Lederpasten und dergleichen eignete.

Pech erwies auch im Krieg seine Dienste. Im Mittelalter wurde Pech Zwecks Kriegsführung ein wichtiges Handelsgut. Mittels Pechfackeln und –pfeilen konnte dem Feind erheblicher Schaden zugefügt werden.

Trotz des Vielseitigen Einsatzes des Harzrohstoffs, gilt das Handwerk des Pechsieders seit dem 19. Jahrhundert als weitgehend verschwundene Arbeit. In der heutigen Zeit wird das Pechsieden lediglich bei einzelnen Veranstaltungen Zwecks Pflege und Wahrung alter Traditionen vorgeführt.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

[2] „[…] zum Kalfatern des Schiffsrumpfes (Schiffspech), zum Steifen des Schuhmacherzwirns (Schusterpech), zum Auspichen der Bierfässer (Pichpech) […]“ (Palla, 2010, S. 172).

 

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Literatur

Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 170-172.

www.wikipedia.de → Harzer,

https://de.wikipedia.org/wiki/Harzer_(Beruf), abgerufen am 21.06.2017.

 

 


Gefährdung
Ausgestorben
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
20 - 25
20 Herstellung von chemischen Erzeugnissen
2052 Herstellung von Klebstoffen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

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