Müller/in

Das Handwerk des Müllers[1], welches im Mittelalter im Reinigen, Mahlen, Sieben sowie im Sichten oder Beuteln des Getreides bestand, reicht weit in die frühste Zeit zurück. Mit den Reib- und Handdrehmühlen beginnend, über Tiermühlen (auch Göpel genannt) bis hin zu Wasser und Windmühlen wurde zur Verarbeitung von Getreide im Verlauf der Menschheitsgeschich­te sowohl menschliche als auch tierische bis hin zur Wasser- und Windkraft genutzt.

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Die Wassermüh­len, die seit der römischen Antike in Europa Einsatz fanden, waren insbesondere im Binnenland in Form von Schiffsmühlen in den Flüssen verankert. Die Windmühlen hingegen, die sich lediglich hin­sichtlich der Antriebskraft von den Wassermühlen unterschieden, dominierten besonders im Westen und Norden Europas. Trotz der frühzeitigen Nutzung von Wasser –bzw. Windkraft und des Zusam­menschlusses in Zünften (12. und 13. Jahrhundert), blieben die Müller bis ins hohe Mittelalter von den Landesherren bzw. dem Städterat und von Handwerken, die Walkmühlen betrieben abhängig (vgl. hierzu Walker). Diese Abhängigkeitsverhältnisse wirkten sich allerdings nicht auf den techni­schen Wandel der vorindustriellen Müllerei aus. So konnte im 16. Jahrhundert der Beutel[2] mechani­siert werden und nun musste die Herstellung von Feinmehl nicht wie bis anhin in Handarbeit vorge­nommen werden. Mit dem Einzug der Siebenzylinder und Zentrifugalmaschinen im 19. Jahrhundert und den Plansichtern im 20. Jahrhundert wurden die Sortierapparate schliesslich vom Mahlgang ge­trennt und durch mehrmaliges stufenweises Ausmahlen, welches man bereits im 16. Jahrhundert einzusetzen pflegte, stellte die Herstellung von Feinmehl keine Schwierigkeit mehr für die Müller dar. War die Arbeit des Müllers bis dahin von Tätigkeiten, wie dem Entgegennehmen der Kornsäcke und dem Reinigen des Korns, der Kontrolle der Mahlgänge, dem Sieben des durchgelaufenen Mahlguts, dem Abfüllen und Abmessen des Mehls, dem Reinigen der Mühle, dem Schmieren der Wellenlager, dem Auswechseln der verschlissenen Teile und dem Nachschleifen der Mahlsteine geprägt, so änder­te sich aufgrund der neuen technischen und technologischen Errungenschaften der Aufgabenbereich der Müller stetig.

Gegenwärtig besteht der wesentliche Tätigkeitsbereich der Müller in der Planung, Steuerung und Überwachung und der Behebung von Störungen im Rahmen des Produktionsablaufes. Das Abfüllen und die Bereitstellung zum Transport der Getreidesäcke stellen einen weiteren Aufgabenbereich im Berufsfeld des Müllers dar. Die Ausbildung zum Müller bzw. zur Müllerin dauert 3 Jahre und schliesst sowohl in der Fachrichtung Lebensmittel als auch in der Fachrichtung Tiernahrung mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

[2] „Das mechanische Beutelwerk bestand aus einem Beutelkasten, indem ein länglicher Beutel aus Wolltuch, später Seide, schräg aufgehängt war und in den das Mahlgut direkt vom Mahlgang aus einlief. Durch ein Schlagwerk, das durch den sog. Dreischlag des Triebwerks bewegt wurde, wurde der Beutel ständig gerüttelt. So fiel das Mehl durch das Beuteltuch in den Beutelkasten, während am Ende des Beutels die Kleie gesondert austrat“ (Reith, S. 164-165).

 

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Literatur

Reith Reinhold: Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 162-167.

Sauer Christine: Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 31.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Müller/in EFZ, https://berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=3689, abgerufen am 08.08.2017.

www.berufskunde.ch → Eintrag Müller/in EFZ,

https://berufskunde.com/ausbildungsberufe/ausbildung-muller.html#anforderungsprofil, abgerufen am 08.08.2017.

 


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
5 - 10
10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln
1061 Mahl- und Schälmühlen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Müller/in EFZ

Fachrichtung Lebensmittel oder Tiernahrung

Berufsnummer 21005

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Postfach 737
3052 Zollikofen
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