Kürschner/in

Kürschner und Kürschnerinnen verarbeiten Tierfelle zu individuellen Pelzbekleidungen. Sie entwerfen eigene Modelle für Mäntel, Jacken, Capes oder Mützen oder setzen Kundenwünsche um. Auch Änderungsarbeiten, Reparaturen beschädigter Kleidungsstücke sowie Reinigung und Pflege von Pelzen gehören zu ihren Tätigkeitsbereichen. Zu den wichtigsten Arbeitsgeräten des Kürschners* gehört die Pelznähmaschine.

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Profunde Materialkenntnisse und ein ausgeprägter Sinn für Mode, Stil, Farben und Proportionen ermöglichen dem Kürschner die kompetente und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Beratung seiner Kunden.

Die offizielle Berufsbezeichnung für das Kürschnerhandwerk ist heute „Bekleidungsgestalter EFZ, Schwerpunkt Pelzbekleidung“. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

 

Geschichte

Der Mensch nutzt die Felle von Tieren seit ältesten Zeiten zur Herstellung von Kleidungsstücken. Die Bezeichnung „Kürschner“ leitet sich aus dem althochdeutschen Wort „kursinna“ („Pelzrock“) her; im deutschen Sprachraum nennt man den pelzverarbeitenden Handwerker zuweilen auch Pelzer, Buntfutterer, Wild- oder Grauwerker.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörten zu den Tätigkeiten des Kürschners neben der Fertigung und dem Verkauf von Pelzwerk auch der Handel mit unbearbeiteten, „rohen“ Tierfellen sowie deren Zubereitung. Weil der Kürschner bei seiner Arbeit direkten Kontakt mit den Fellen toter Tiere hatte, wurde sein Handwerk als „unrein“ betrachtet. Die Zubereitung der rohen Felle war mit Gestank und Lärm verbunden; in manchen Städten durften die Kürschner ihr Handwerk daher nur an den Rändern der Siedlung betreiben. Da Fell- und Pelzhandel aber lukrativ und Kürschner meist wohlhabend waren, genossen sie dennoch hohes Ansehen.

Um das einem toten Tier abgezogene Fell langfristig haltbar, wasserundurchlässig und als Rohmaterial für Kleidungsstücke brauchbar zu machen, musste es zunächst zubereitet werden. In einem ersten Schritt wurde die Innenseite von Fleischresten gereinigt. Die Innenseite wurde nach aussen gewendet, mit Fett eingerieben und in die sogenannte Trampeltonne gelegt, wo sie einige Stunden lang mit blossen Füssen geschmeidig „getrampelt“ wurden. Daraufhin wurde die Fleischseite mit Salzlauge eingerieben. Man liess die Beize über Nacht einwirken, wodurch das anhaftende Fleisch gelockert wurde und mit dem Abfleischeisen entfernt werden konnte. Nach Trocknen der Felle wurde das Prozedere (ohne Einfetten) wiederholt. Nun wandte man sich der Pelzseite zu: Die Haare wurden durchgekämmt und die Felle im Wärmestock, einer über glühenden Kohlen aufgestellten Tonne, während ungefähr zwei Stunden erneut getreten. Nach einer letzten Reinigung beider Seiten konnten die Pelze bei Bedarf eingefärbt oder direkt zu Kleidung verarbeitet werden.

Spezielle Zuschneidemesser, Nadeln und Nähhaken ermöglichten die Verarbeitung des dicken Pelzwerks. Um die Nadel durch die Felle zu drücken, bediente man sich eines Fingerringes. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam zunehmend die Pelznähmaschine zum Einsatz.

Im 19. Jahrhundert trennten sich die vorbereitenden Prozesse der Pelzzubereitung allmählich vom eigentlichen Kürschnerhandwerk. Letzteres beschränkt sich heute auf das Schneidern und den Verkauf von Pelzwerk.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Bekleidungsgestalter EFZ/Bekleidungsgestalterin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=1453&lang=de, abgerufen am 12.01.2015.

Kurszentrum Ballenberg & Schweizerischer Gewerbeverband sgv (Hg.): Die Jungen Schweizer Macher: Handwerk 2014. Handwerk 1/2014, Sonderausgabe Swissskills Bern 2014, S. 26-27. PDF

Wiswe Mechthild: Kürschner, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 130-135.


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
keine Angabe möglich
14 Herstellung von Bekleidung
1420 Herstellung von Pelzwaren

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Bekleidungsgestalter/in EFZ

Fachrichtung Schwerpunkt Pelzbekleidung

Berufsnummer 27121

Lernende 1

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4600 Olten
Tel.: +41 62 311 83 63
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