Kartograf/in

Kartograf/innen vermessen Areale vom einzelnen Gebäude bis zum Landstrich. Sie erfassen raumbezogene Daten, analysieren sie am Computer mithilfe von GIS- und CAD-Programmen und visualisieren sie schliesslich in Form von Grafiken, Plänen und Karten. Je nach Verwendungszweck fertigt der Kartograf* topografische Karten (zum Beispiel Landeskarten) oder thematische Karten (zum Beispiel Bevölkerungsdichte- oder Verkehrskarten) an. Er bildet die Welt so ab, dass sie lesbar und interpretierbar wird.

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Die Berufsbezeichnung „Kartograf“ wurde am 31.12.2009 aufgehoben. Das Handwerk des Kartografen wurde in den Beruf des Geomatikers integriert, wo es einen von drei Schwerpunkten bildet. Die Ausbildung dauert vier Jahre und schliesst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Geomatiker EFZ, Schwerpunkt Kartografie.

 

Geschichte

Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. wurde in Mesopotamien eine Art früher Kartografie betrieben; die ältesten erhaltenen Zeugnisse, in Tontafeln geritzte Darstellungen, werden auf ca. 3800 v. Chr. datiert. Um 2000 v. Chr. sind Vermessungskunde und Kartografie auch in Ägypten belegt. Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. postulierten die griechischen Pythagoreer die Kugelgestalt der Erde. Dies führte zu einem Problem: Wie war eine gewölbte Oberfläche auf eine Ebene zu projizieren? Zur Lösung dieses Problems begannen die Griechen im 4. Jahrhundert v. Chr., die ersten Kartennetzentwürfe zu entwickeln. Als erster wissenschaftlicher Kartograf gilt der griechische Astronom, Mathematiker und Naturforscher Claudius Ptolemäus, der im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Kegelprojektion in die Kartografie einführte und eine präzise Anleitung zur Konstruktion von Gradnetzen gab. Auf seine Werke, in denen er das gesammelte geografische Wissen der Antike zusammentrug, stützte man sich noch bis zum Ende des 16. Jahrhunderts.

Im europäischen Mittelalter wurde das geografische und kartografische Wissen der Antike in den Klöstern überliefert, vieles ging aber auch verloren. So ist auf mittelalterlichen Weltkarten die Erde wieder als Scheibe zu sehen, die vom Ozean umflossen wird. Fortschritte wurden jahrhundertelang keine mehr gemacht. Erst im 15. Jahrhundert, als die Seefahrt zunehmend Bedeutung erlangte, erhielt auch die Kartografie neue Anstösse. Schiffskapitäne und Navigatoren machten sich daran, die Häfen, Küsten und Meere, die sie befuhren, zu kartografieren und die herrschenden Windverhältnisse aufzuzeichnen; sie schufen so die sogenannte Portolankarte. Der portugiesische Seefahrer Magellan erbrachte 1519-1521 durch seine erste Erdumsegelung den Beweis für die Kugelgestalt der Erde. Entdeckungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und zunehmend verfeinerte Techniken führten schnell zu immer genaueren See- und Landkarten. Seit Ende des 18. Jahrhunderts basiert die Kartografie auf exakten trigonometrischen Vermessungen.

Die frühen kartografischen Werke waren Zeichnungen auf Tontafeln, Papyrus, Bast, Häuten, Knochen oder Holz gewesen. Im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein wurden Karten von Hand auf Pergament oder Papier gezeichnet und je nach Verwendung und Auftraggeber der Karte mit Schiffstypen, Windgöttern, Wappen, Herrscherportraits etc. verziert. Das Gelände wurde durch Kammzeichen und Maulwurfshügel dargestellt, Seen und Meere kennzeichnete man durch Wellen, Schiffe und Seeungeheuer. Mit der Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelten sich Holzschnitt und Kupferstich als Methoden der Kartenherstellung, Ende des 18. Jahrhunderts auch die Lithografie. Um 1800 ersetzten Schraffierungen, Höhenlinien und farbige Höhenschichten zunehmend die alten bildlichen Gelände-Darstellungen.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Kartograf/Kartografin, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=512&lang=de, abgerufen am 07.08.2014.

Palla, Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 1994, S. 175-182.

Kartennetzentwürfe, in: Die Brockhaus Enzyklopädie Online, Gütersloh/München, abgerufen am 07.08.2014.

Kartografie, in: Die Brockhaus Enzyklopädie Online, Gütersloh/München, abgerufen am 07.08.2014.

Ptolemäus, Claudius, in: Die Brockhaus Enzyklopädie Online, Gütersloh/München, abgerufen am 07.08.2014. 


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
18 Herstellung von Druckerzeugnissen; Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern
181 Herstellung von Druckerzeugnissen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Geomatiker/in EFZ

Fachrichtung Kartografie

Berufsnummer 64104

Lernende 15

Kontakt

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sgk@kartografie.ch
www.kartografie.ch

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8200 Schaffhausen
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