Holzschuhmacher/in

Der Holzschuhmacher* stellt aus einem einzigen Holzstück geschnitzte Schuhe her. Zunächst wird ein Holzklotz geeigneter Grösse zugeschlagen und die Rohform des Schuhs mit der Breitaxt herausgearbeitet. Nach Behauen eines Rohling-Paares und dem Anreissen der Fussform wird die Aussenfläche mit dem Schabeisen geglättet. Danach wird der Schuh in der Werkbank eingekeilt und der Innenraum mit Bohrer und Meissel ausgehöhlt. Der erste Schritt hierbei ist das Festsetzen der inneren Schuhlänge mittels eines Spiralbohrers, der mit einer Messskala versehen ist. Nun wird mit Holzhammer und Hohleisen das Bohrloch geschlagen und mit dem Zentrumsbohrer ein erstes Loch in die Mitte des Schuhs getrieben. Dieses wird mit Löffelbohrern ausgeweitet. Nachdem der Schuh fertig ausgehöhlt ist, was heute häufig mithilfe einer Ausbohrmaschine geschieht, werden Unebenheiten mit Abrüstmesser und Stosseisen abgetragen und geglättet. Zuletzt wird die Aussenseite fertiggestellt: Der Absatz wird eingesägt und ausgehauen, der Schuh wird rundum beschnitten und gerundet und die Oberfläche wird geglättet. Optional folgt die Verzierung der Schuhe durch Einschnitzen von Ähren- oder Blumenmustern und/oder Bemalen.

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Neben dem eigentlichen Holzschuh fertigt der Holzschuhmacher auch Holzsohlenschuhe: Geschnitzte Holzsohlen werden mit einem Oberteil aus einem anderen Material, häufig Leder, verbunden.

 

Geschichte

Holzschuhe sind im Alpengebiet bereits für die gallorömische Zeit belegt, sie waren jedoch in ganz Westeuropa, von Spanien bis Skandinavien, weit verbreitet. Als eigenständiges Handwerk hat sich die Holzschuhmacherei im Spätmittelalter herausgebildet, als sich die Holzschuhmacher von den Schuhmachern abtrennten.

Holzschuhe trug vor allem das einfache Volk. Kostbar verzierte Exemplare wurden gelegentlich auch von Adligen in Auftrag gegeben. In ländlichen Gebieten waren Holzschuhe noch um 1800 die allgemein gebräuchliche Fussbekleidung.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Hugger Paul: Beim Holzschuhmacher, in: Hugger Paul (Hg.): Sterbendes Handwerk, Heft 4, Basel 1964.

Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 1994, S. 151-152.

Grießinger Andreas: Schuhmacher, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 217-223. 


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
italienischsprachige Schweiz
Ausführende
< 5
15 Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen
1520 Herstellung von Schuhen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Formalisierte Grundausbildung in einem Holzhandwerk, z.B. Holzbildhauer,
Holzhandwerker (Drechslerei, Weissküferei), Küfer:

 

IGKH Interessengemeinschaft KunstHandwerk Holz
3855 Brienz
Tel.: +41 79 853 88 99
E-Mail: ig@kunsthandwerk-holz.ch
www.kunsthandwerk-holz.ch

 

Holzbildhauer-Verband Schweiz
3855 Brienz
E-Mail: info@holzbildhauerverband.ch
www.holzbildhauerverband.ch

 

Schule für Holzbildhauerei
Schleegasse 1
3855 Brienz
Tel.: +41 33 952 17 51
E-Mail: schule@holzbildhauerei.ch
holzbildhauerei.ch

 

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg:
Für aktuelle Holzschuhmacher-Kurse s. Rubrik "Holz".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

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