Holzbildhauer/in

Wann das Rohmaterial Holz erstmals auf kunstvolle Art und Wese bearbeitet wurde, lässt sich nicht genau datieren. Die frühesten erhaltenen Darstellungen zeugen von einer jahrhundertelangen Ge­schichte der kunstvollen Holzbearbeitung, die im Mittelalter in einer Hochkonjunktur mündet. Zahl­reiche in dieser Zeit entstandene künstlerische Werke (z.B. die berühmte Lindenholzfigur des heiligen Rochus in Florenz), die zumeist im Auftrag der Kirche erstellt werden, verschaffen den Bildhauern (Holz- und Steinbildhauern)[1] grosses Ansehen. Ihre Kunst wird weit und breit gerühmt und ihre Na­men finden Eingang in die Kunstgeschichte.

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Im Gegensatz dazu wird das Gewerbe der Holzschnitzer im 19. Jahrhundert aus der Not geboren und dient den Ausübenden zunächst lediglich als Nebeneinkunft. Als 1884 die Schnitzlerschule in Brienz gegründet wird, die bis heute unter wechselnder Trägerschaft schweizweit die einzige Berufsfach­schule für Holzbildhauerei ist, erwächst das hölzerne Kunstgewerbe allmählich zu einem selbststän­digen Gewerke.

Seit der Gründung der Schule für Holzbildhauerei lässt sich in der Schweiz eine stetige Zunahme gut ausgebildeter Holzbildhauer feststellen. Sie sind zumeist für die Restauration sowie die Verzierung von zahlreichen Gegenständigen und das Schnitzen von diversen Skulpturen, Grabmalen, Ornamen­ten sowie religiösen Figuren und die Fertigung von Gussmodellen sowie Souvenierartikeln zuständig. Unter der Anwendung von diversen Werkzeugen (z.B. Schlegel oder Klöpfel, diverse Flach- und Hoh­leisen, Schnitzmesser, Holzraspeln, Feilen, Ziehklingen, Schleifpapier und Schleifsteine) und viel Ge­duld sowie Geschick arbeiten sie dabei Span um Span an der gewünschten Form und Wirkung.

Die Holzbildhauerei ist demnach ein ausgesprochenes Kunsthandwerk, dessen Beherrschung hand­werkliche und künstlerische Begabung gleichermassen voraussetzt.

Von angehenden Holzbildhauern werden insbesondere Geduld, Ausdauer, gutes räumliches Vorstellungsvermögen und eine exakte Arbeitsweise verlangt. Die Ausbildung zum „Holzbildhauer/in EFZ“ dauert vier Jahre.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Holzbildhauerin.

 

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Literatur

Reiter Raimond: Altes Handwerk. Der Holzbildhauer. Hannover 1993, S. 54-55.

Von Uhlmann Arnulf: Meisterhafte Skulpturen. Bildhauerkunst und innovative Technik, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 173-184.

www.holzbildhauerei.ch → Das 130 jährige Jubiläum der Schule für Holzbildhauerei, abgerufen am 12.03.2018.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Holzbildhauer/in, abgerufen am 12.03.2018.

 


Gefährdung
Geringer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
16 Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)
1629 Herstellung von Holzwaren a. n. g, Kork-, Flecht- und Korbwaren (ohne Möbel)

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Holzbildhauer/in EFZ

Fachrichtung

Berufsnummer 90003

Lernende 28

IGKH Interessengemeinschaft KunstHandwerk Holz
3855 Brienz
Tel.: +41 79 853 88 99
E-Mail: ig@kunsthandwerk-holz.ch
www.kunsthandwerk-holz.ch

Schule für Holzbildhauerei
Schleegasse 1
3855 Brienz
Tel.: +41 33 952 17 51
E-Mail: schule@holzbildhauerei.ch
www.holzbildhauerei.ch

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg:
Diverse Kurse in Holzbildhauen und Holzschnitzen.
Für aktuelle Kurse s. Rubrik "Holz".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

Kontakt

Holzbildhauer-Verband Schweiz
3855 Brienz
E-Mail: info@holzbildhauerverband.ch
www.holzbildhauerverband.ch

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