Helmschmied/in

Ein Helmschmied[1] schmiedet Helme aus Eisen oder Stahl. Der ursprünglich geschmiedete Helm be­steht aus zwei Teilen, die mit Rundhämmern in einem halbkugelförmigen Ambossgesenk zusammen­gefügt werden. Der Helm soll neben dem Schädel auch das ganze Gesicht, den Hals und den Nacken schützen. Wann Menschen begonnen haben, ihren Körper mit metallenen Helmen vor Gewalteinwir­kung zu schützen, lässt sich nicht genau datieren. Die frühesten erhaltenen Darstellungen und Funde stammen aus der Bronzezeit.

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Geschmiedete Helme wurden im Mittelalter und insbesondere zur Zeit des Ritterwesens sowohl bei Turnieren als auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt und verfügten zumeist über ein am Bolzen aufschlagbares und über den Steckscharnieren abnehmbares Visier. Der Burgunder­helm, der durch einen Kamm verstärkt und mit einem Schirm, Wangenklappen und Nackenstutz ver­sehen war, stellte im 16. Jahrhundert den Höhepunkt in der Helmkonstruktion dar. Das 16. Jahrhun­dert lässt sich ausserdem als die Blütezeit des Rüstungsschmiedehandwerks bezeichnen. Die Helm­schmiede, die auch Helmer und Eisenhuter genannt wurden, waren neben den Harnischschmieden die bedeutendsten eisenverarbeitenden Handwerker des Mittelalters. Insbesondere die Städte wa­ren an Rüstungen interessiert. Ein grosses Lager an Waffen und Rüstungen diente nicht nur zur Ver­teidigung in Kriegsfällen sondern auch zur Abschreckung des Feindes. Dies wird in der heutigen Zeit zwar immer noch praktiziert, nur kommt dem Helm in diesem Kontext weniger Bedeutung zu. Mit der Entwicklung von treffsicheren und durchschlagskräftigeren Feuerwaffen und der Weiterentwick­lung der Giessverfahren sowie der industrielle Produktion im Rahmen der eisenverarbeitenden Hand­werke verloren die Rüstungsschmiedehandwerke zusehends an Bedeutung und mit ihnen auch das Handwerk des Helmschmieds. Heute zählt es in der Schweiz zu den hoch gefährdeten Handwerken.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Helmschmiedin.

 

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Literatur

Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2014, S. 94.

Hansen Leif: Die Panzerung der Kelten. Eine diachrone und interkulturelle Untersuchung eisenzeitlicher Rüstungen, Kiel 2003.

Hauschke Sven: Das Metallhandwerk. Eisen-, Zinn- und Kupferverarbeitende Gewerbe, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 57-70.

 


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
< 5
25 Herstellung von Metallerzeugnissen
Herstellung von Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteilen, gewalzten Ringen und_x000d_pulvermetallurgischen Erzeugnissen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

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