Gussputzer/in

Gussputzerinnen und Gussputzer befreien gegossene Metallobjekte von Eingüssen, Graten, Sandanhängen und Rost, glätten und reinigen sie.

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Die Nachbearbeitung eines gegossenen metallenen Werkstückes ist integraler Bestandteil der Metallgiesserei. Metallgiesser[1], die ihr Handwerk als Kunsthandwerker betreiben, übernehmen das Putzen des Rohgusses meist selbst: Die Nachbearbeitung des Gusses, die sogenannte Kaltarbeit, ist wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Gestaltung (→ Bronzegiesser). Hier übernimmt der Gussputzer allenfalls die erste grobe Nachbearbeitung des Rohgusses: Entfernung von Einguss- und Entlüftungstrichtern und Kernhaltern, vielleicht noch Bereinigung von Gussfehlern oder Abschleifen der Gusshaut. Diese Arbeiten werden manuell ausgeführt, heute vielfach unter Zuhilfenahme von Kleinmaschinen wie Handschleifmaschinen. In der Industrie tätige Gussputzer arbeiten dagegen überwiegend unter Einsatz von Grossmaschinen wie Putztrommeln und Strahlmaschinen.

Das Handwerk des Gussputzers kann heute in der Schweiz nicht mehr über die reguläre Berufsbildung erlernt werden. Als Basis für eine Tätigkeit in einem Giessereibetrieb empfiehlt sich die Ausbildung zum Gussformer EFZ oder zum Gusstechnologen EFZ.

 

Geschichte

Das Handwerk des Gussputzers ist so alt wie dasjenige des Metallgiessers; für einen allgemeinen Überblick über die Geschichte s. Eintrag Giesser.

Spuren eines eigenständigen Gussputzer-Handwerks lassen sich für die Frühzeit kaum nachweisen, in grösseren Werkstätten ist aber eine frühe Spezialisierung anzunehmen. In der griechischen Antike ist die Arbeitsteilung in Bronzegiesser-Werkstätten bezeugt. Das ganze Mittelalter hindurch und bis in die Neuzeit hinein war die Beschäftigung eines oder mehrerer Gussputzer in erster Linie eine Frage der Betriebsgrösse: Selbständige Metallgiesser mit kleinen Werkstätten übernahmen diese Arbeit zu allen Zeiten meist selbst.

Bis zum 19. Jahrhundert veränderte sich das Handwerk des Gussputzers prinzipiell kaum. Vor der Erfindung von Maschinen war die Gussputzerei sehr arbeits- und zeitaufwendig. Hauptsächliche Werkzeuge des Gussputzers waren Hammer, Meissel und Feilen. Im Zuge der Industrialisierung wurde auch die Gussputzerei mechanisiert. Die ersten mechanischen Putztrommeln, in welchen Gussstücke durch Aneinanderscheuern gereinigt werden, erscheinen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Putztrommel die am weitesten verbreitete Maschine zur Reinigung von Gussoberflächen.

Um 1870 wurde in Philadelphia das erste Sandstrahlgebläse entwickelt: Quarzsand wurde mit Hilfe von Druckluft auf die Gussoberfläche gestrahlt und reinigte diese durch Abrieb. Versuche mit anderen Strahlmitteln – Glas, Schlacke, Eisenteilchen, andere Metalle – sowie anderen Antriebsprinzipien – Dampf, Wasser, Schleuderräder – führten in den folgenden Jahrzehnten zu stetig verbesserten und effizienteren Strahlmaschinen.

Die 1880er Jahre sahen schliesslich die Ablösung des Handmeissels durch Druckluftmeissel sowie die ersten maschinell betriebenen Schleifscheiben.

Durch die Mechanisierung hat sich das Handwerk des Gussputzers grundlegend gewandelt. Viele Arbeitsschritte, die während Jahrtausenden mit Hilfe von Handwerkzeugen erfolgten, werden heute von Maschinen übernommen. Für die abschliessende Kontrolle und den letzten Feinschliff braucht es aber nach wie vor das scharfe Auge und die geschulte Hand des Handwerkers.

[1] Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur noch die männliche Form verwendet.

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Literatur

Elkar Rainer S., Keller Katrin, Schneider Helmuth (Hg.): Handwerk. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Darmstadt 2014.

Engels Gerhard, Wübbenhorst Heinz: 5000 Jahre Giessen von Metallen, Düsseldorf 2007.


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
Ausführende
keine Angabe möglich
24 Metallerzeugung und -bearbeitung
245 Giessereien

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Grundausbildung zu den Berufen Gussformer/Gussformerin EFZ oder
Gusstechnologe/Gusstechnologin EFZ:

 

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