Gussformer/in

Gussformerinnen und Gussformer fertigen Gussformen an, die sie anschliessend zur Herstellung von metallenen Gussteilen einsetzen. Je nach Verwendungszweck der Gussteile werden Eisen-, Stahl-, Schwer- oder Leichtmetalllegierungen verarbeitet.

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Metallene Gussteile sind allgegenwärtig. Man findet sie überall: in der Kaffeemaschine, in Automotoren, Rolltreppen, Computern oder künstlichen Gelenken, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Der Gussformer[1] stellt die jeweils erforderlichen Gussformen her, programmiert die Produktionsanlagen, bedient sie und wartet sie. Beim eigentlichen Guss werden zwei Verfahren unterschieden:

Im Guss mit verlorenen Formen kann jede Gussform nur einmal verwendet werden. Die Gussform wird hauptsächlich aus (Sand-)Formstoffen hergestellt: Der Gussformer bettet zunächst ein Modell des zu giessenden Objektes in Formstoff und verdichtet diesen. Die Verdichtung erfolgt je nachdem von Hand oder maschinell. Anschliessend wird das Modell entnommen, und die einzelnen Formteile werden zur gussbereiten Form zusammengesetzt. Wenn das fertige Gussteil Hohlräume, Kanäle oder Aussparungen enthalten soll, stellt der Gussformer zusätzlich die entsprechenden Kerne her.

In die fertige Gussform wird schliesslich die heisse Metallschmelze gegossen. Nach dem Auskühlen und Erstarren des Metalls löst der Gussformer das gegossene Werkstück aus der Form, reinigt es und unterzieht es einer abschliessenden Prüfung.

Der Guss mit verlorener Form kommt vor allem bei der Herstellung von Einzelstücken und Kleinserien sowie von Grossgussteilen zum Einsatz.

Im Guss mit Dauerformen sind die Gussformen wiederverwendbar. Sie bestehen in der Regel aus Stahl. Der Gussformer bereitet die Formen vor, programmiert die Giessmaschinen und vergiesst die heisse Metallschmelze. Er überwacht sämtliche Schritte des Giessprozesses und kontrolliert abschliessend die gegossenen Werkstücke.

Der Guss mit Dauerformen wird für Grossserien sowie bei der Herstellung von Präzisionsteilen angewendet.

Die Ausbildung zum Gussformer dauert drei Jahre und wird mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen. Der Gussformer arbeitet sowohl handwerklich als auch am Computer bzw. an Maschinen. Zu den Anforderungen an den zukünftigen Gussformer zählt deshalb Freude an handwerklichem Arbeiten ebenso wie technisches Verständnis. Ebenfalls erwartet werden räumliches Vorstellungsvermögen, exakte Arbeitsweise und Verantwortungsbewusstsein. Da die Arbeit des Gussformers körperlich anstrengend ist, ist ferner eine stabile körperliche Konstitution vonnöten.

Gussformer arbeiten hauptsächlich in Giessereibetrieben. Gussteile werden für Haushaltsgeräte, für die Elektro-, Fahrzeug-, Maschinen- und Textilindustrie, für den Apparate-, Motoren- und Pumpenbau und für die Medizinal- und Messtechnik benötigt. Ausgebildete Gussformer sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt und haben gute Berufsaussichten.

Mit dem Beruf des Gussformers eng verwandt ist der des Gusstechnologen.

 

Geschichte

Für die Geschichte des Giesserhandwerks s. Eintrag Giesser.

Natürlich beschäftigten sich schon die Metallgiesser der Bronzezeit mit der Herstellung und Weiterentwicklung von Gussformen und Giessmethoden, waren demzufolge in der Praxis „Gussformer“ und „Gusstechnologen“. Die Ursprünge der beiden heutigen, modernen Berufe gehen jedoch zurück auf die Industrielle Revolution, die im 18. Jahrhundert mit der Erfindung der ersten Dampfmaschinen ihren Anfang nahm. Mechanisierung einerseits, die Entdeckung und Erschliessung neuer Materialien andererseits führten zu zunehmender Spezialisierung in den Giessereien und schliesslich zur Entstehung neuer Berufsbilder.

Vor allem im 19. Jahrhundert wurden im Giessereiwesen laufend neue Maschinen und neue Verfahren entwickelt. Die Schweiz hinkte hier in einigen Bereichen ein bisschen hintennach: So tat sich beispielsweise auf dem Gebiet der Formtechnik bis in die Zeit um 1880 nicht viel. Die Gussformen wurden nach wie vor aus mit Ton gebundenem und mit Wasser vermischtem Quarzsand (Nassguss) oder aus Lehm hergestellt, die Formkästen bestanden in der Regel aus Holz. Während in den USA bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Formmaschinen entwickelt worden waren, blieb die Mechanisierung für schweizerische Giessereien, wenn sie nicht über sehr grosse Kapitalreserven verfügten, aus Kostengründen noch lange unwirtschaftlich. Gegen die Jahrhundertwende begann die Schweiz aufzuholen, und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stiegen einige schweizerische Giessereien dank dem Einsatz modernster Technologien und zunehmender Automatisierung zu europaweit wichtigen Unternehmen auf.

Mechanisierung und Automatisierung führten zu einer enormen Effizienzsteigerung in den Giessereien. Wenige Arbeiter erreichten mit Hilfe von Formmaschinen und Transportanlagen ein Vielfaches der früheren handwerklichen Produktion.

 

Gusstechnologie im frühen 20. Jahrhundert – Beispiel Badewanne

Die Prozesse eines Giessereibetriebs des 21. Jahrhunderts sind für den Laien nicht mehr zu durch­schauen. Anhand eines überschaubaren Beispiels aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem Serienguss von Badewannen, soll im folgenden ein Einblick in die grundsätzlichen Fragestellungen gegeben werden.

Beim serienmässigen Giessen von Badewannen mussten einige Probleme gelöst werden:

Problem 1: Grosse Oberfläche bei zugleich geringer Wandstärke. Ein solcher Guss gelingt nicht mit jeder beliebigen Metallschmelze. Die geeignete Zusammensetzung und die richtige Giesstemperatur mussten berechnet und/oder durch Versuche gefunden und beim Giessen präzise eingehalten werden.

Problem 2 – eigentlich ein ganzer Problemkomplex: Wie kann die Wanne sauber emailliert werden? Während des Emaillierens ändert sich das Gefüge und damit das Volumen des Gussmaterials. Die Emailschicht muss auf diese Änderung genau abgestimmt sein. Damit der Überzug auf der Wanne überhaupt haften kann, ist eine gewisse Rauheit der Metalloberfläche erforderlich. Zugleich sollte die Oberfläche fehlerfrei und möglichst glatt sein, damit die Emailschicht regelmässig und schön wird. Und schliesslich muss berücksichtig werden, dass sich die Emaille im konvexen Teil der Wanne stärker auszudehnen hat als in den konkaven und flachen Teilen.

Heutige Gussformer und Gusstechnologen beschäftigen sich mit ebensolchen Problemen, nur geht es meist nicht mehr um Badewannen, sondern zum Beispiel um Hochpräzisionsteile. Vom Material der Gussform über die Zusammensetzung der Legierung bis zur Wahl des Giessverfahrens und der Pla­nung der Nachbearbeitung – alles muss genau auf das Endprodukt abgestimmt werden.

 

Computerisierung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte ein weiterer Innovationsschub, verbunden mit der Entwicklung immer leistungsfähigerer Computer, zu noch grösserer Effizienz. Die heutigen Giessereibetriebe der Schweiz sind in der Regel mit modernsten Geräten ausgerüstet, die Anlagen werden weitgehend automatisch gesteuert. Der Mensch ist dennoch nicht entbehrlich geworden: Die Apparate müssen programmiert, bedient und gewartet werden. Hierfür ist umfangreiches und breites Fachwissen erforderlich.

Die Arbeit in den Giessereien hat sich aber jedenfalls seit Beginn der Industriellen Revolution gründlich gewandelt. Diesem Wandel tragen schliesslich auch die modernen Berufsbezeichnungen „Gusstechnologe“ und „Gussformer“ Rechnung.

[1] Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Britt Hanspeter: Giesser und Totengräber. Geschichte der Schweizer Giessereiindustrie, Zürich 2016.

Johannsen Otto: Geschichte des Eisens, Düsseldorf 1953.

www.berufsberatung.ch: Eintrag Gussformer/in EFZ, https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?lang=de&id=3021#, abgerufen am 22.07.2016.


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
20 - 25
24 Metallerzeugung und -bearbeitung
245 Giessereien

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Gussformer/in

Fachrichtung

Berufsnummer 41208

Lernende 51

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