Graveur/in, Ziseleur/in

Graveure[1] respektive Ziseleure versehen Schmuck, Ziergegenstände, technische Produkte und andere Objekte aus Metall mit vertieften oder erhabenen Schriftzügen, Wappen, Ornamenten oder Zeich­nun­gen. Gravieren und Ziselieren sind die beiden grundlegenden Techniken der Oberflächen­vered­lung von Metall. Sie unterscheiden sich prinzipiell:

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Beim Gravieren wird die Verzierung in die Oberfläche sozusagen eingeschnitten, wobei Material ver­lo­ren geht; man nennt das Verfahren „spanabhebend“. Für feine Arbeiten benutzt der Graveur den Gravierstichel, den er frei mit der Hand führt, für gröbere kommt der Graviermeissel zum Einsatz, der mit Hilfe eines Hammers vorangetrieben wird. Das Werkstück wird beim Gravieren nach Möglichkeit nicht verformt.

Die Gravur als Methode der Oberflächenverzierung eignet sich nicht nur für Metalle, sondern auch für andere Materialien wie Glas, Horn oder Perlmutt. Sie bildet auch die Grundlage für weitere Ver­ed­lungsmethoden, z.B. das Emaillieren (→ Emailleur).

Beim Ziselieren entsteht ein plastisches Relief auf der Metalloberfläche. Hierbei geht kein Material ver­­loren, man bezeichnet das Verfahren entsprechend als nichtspanabhebend. In einem ersten Schritt treibt der Ziseleur mit Hilfe von Kugelpunzen die Grundzüge des Motivs von der Rückseite des Bleches heraus. Die Ausarbeitung und Präzisierung erfolgt anschliessend mit Setzpunzen auf der Vor­derseite.

Graviert wird heute sowohl von Hand als auch mit der Maschine:

Am Anfang der Handgravur steht das zeichnerische Entwerfen und Ausgestalten der Gravier-Vorlage. Nach Übertragen der Vorlage auf das Objekt beginnt die eigentliche Gravierarbeit. Mittels Stichel, Meissel, Punze und weiteren, zum Teil selbst hergestellten Stanz- und Prägewerkzeugen wird die Ver­zierung auf dem Objekt ausgearbeitet. Auch selbst angefertigte Reliefmodelle und Schablonen kommen zum Einsatz. Die Herstellung dieser handwerklichen Hilfsmittel erfordert die Beherrschung der grundlegenden Techniken der Metallbearbeitung wie Bohren, Sägen, Feilen, Schleifen oder Ge­windeschneiden.

Bei der Maschinengravur wird die Vorlage mit einem Grafikprogramm gestaltet. Abhängig von Ma­te­rial und Gravur wird die geeignete Maschine bestimmt. Die CNC-, Laser- oder Pantograph-Gravier­ma­schine wird nun für die Aufgabe programmiert; wichtige Parameter sind dabei Schnittgeschwin­dig­keit, Vorschub und Spantiefe. Maschinell graviert werden häufig industrielle Produkte, bei denen die Rückverfolgbarkeit wichtig ist, so zum Beispiel Zahnimplantate oder Kabelstränge und Steckdosen für Grossanlagen wie Flughäfen.

Der Graveur muss über handwerkliches, künstlerisches und zeichnerisches Geschick sowie techni­sches Verständnis verfügen. Die Ausbildung dauert vier Jahre und führt zum Eidgenössischen Fähig­keitszeugnis „Graveur/in EFZ“.

 

Geschichte

Die Gravierkunst reicht bis in die Anfänge menschlicher Kultur zurück: Bereits in der Frühzeit ritzten Men­schen mit scharfkantigen Steinen und Knochen Verzierungen in Werkzeuge, Gefässe und Waffen und schmückten die Wände von Höhlen mit Ritzzeichnungen. Die Entdeckung von Metallen als Roh­ma­terialien für zahllose Geräte sowie die Entwicklung und stetige Verbesserung neuer Werkzeuge brachten auch eine fortlaufende Verfeinerung der Gravier-Technik mit sich. Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. hatte diese in Mesopotamien einen ersten Höhepunkt erreicht, wovon Funde von gravierten Sie­geln, Helmen und weiteren Objekten zeugen. Die Gravierkunst war bei allen Völkern der Antike be­kannt und verbreitet. Nach dem Untergang des römischen Reiches geriet sie in weiten Teilen Euro­pas vorübergehend in Vergessenheit. Sie wurde aber, wie viele andere Künste auch, in den Klöstern be­wahrt. Ausgehend von den klösterlichen Goldschmitten erlebte sie eine allmähliche Wiedergeburt, die im Hochmittelalter in einer neuerlichen Blüte gipfelte. Aufgrund dieser Überlieferungsgeschichte blieb die Gravierkunst lange Zeit mit dem Goldschmiedehandwerk verbunden, begann aber früh, sich in zahlreiche Zweige aufzuspalten. So bildeten sich zum Beispiel Kupferstecher, Siegel- und Edelstein­graveure, Glasgraveure und diverse Metallgraveure. Die Glanzzeit des Gravier-Gewerbes endete Mit­te des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von maschinellen und chemischen Reproduktions­ver­fahren.

[1] Für bessere Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Eser Thomas: Der Gold- und Silberschmied. Edelmetall- und edelsteinverarbeitende Gewerbe, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 43-54.

Hugger Paul: Der Zinngraveur, in: Hugger Paul (Hg.): Sterbendes Handwerk, Heft 13, Basel 1967.

Kurszentrum Ballenberg & Schweizerischer Gewerbeverband sgv (Hg.): Die Jungen Schweizer Macher: Handwerk 2014. Handwerk 1/2014, Sonderausgabe Swissskills Bern 2014, S. 38-39. PDF

www.berufsberatung.ch → Eintrag Graveur/in EFZ, https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?lang=de&idx=12&id=3112, abgerufen am 19.02.2017. 


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
32 Herstellung von sonstigen Waren
3299 Herstellung von sonstigen Erzeugnissen a. n. g.

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Graveur/in EFZ

Fachrichtung

Berufsnummer 44305

Lernende 31

Schweizerischer Verband der Graveure
8000 Zürich
E-Mail: info@graveurverband.ch
www.graveurverband.ch

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Ausstellungsstrasse 104
8090 Zürich
Tel.: +41 44 446 97 77
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Kontakt

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Berufsbild "Graveur/in EFZ", www.berufskunde.com

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