Glasschleifer/in

Glasschleifer[1] waren im Mittelalter für das Schleifen von Glas zuständig. Sie schliffen das Glas zumeist mit feinem Sand und polierten es anschliessend mit Zinnasche. In Manufakturen, in denen wertvolle Gläser hergestellt wurden, war das Handwerk von Glasschleifern unabdingbar. Das Glasschleifen stellte daher im Mittealter im Rahmen der glasver- oder bearbeitenden Handwerke[2] (z.B. Glasmaler, Hinterglasmaler, Glaser, Bleiglaser, etc.) einen eigenständigen Berufszweig dar. Heute hingegen gibt es in der Schweiz keine reglementierte Ausbildung zum Glasschleifer. Lediglich in Deutschland wird eine dreijährige Ausbildung zum Glasveredler bzw. zur Glasveredlerin mit den Fachrichtungen Gravur und Schliff angeboten.

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Nach Absolvierung dieser Ausbildung sind Glasveredler bzw. Glasveredlerinnen in der Lage vorgefer­tigte Hohlglasprodukte wie Trinkgläser, Vasen, Schalen, Spiegel, Glastüren, Vitrinen sowie Flachglas, anhand unterschiedlicher Techniken zu bearbeiten. Sie führen dabei den Wünschen der Kunden ent­sprechend unteranderem Ornament- und Dekorschliffe aus und stellen Tief-, Wappen- und Schrift­gravuren her. Sobald die entsprechenden Entwürfe entweder von Hand oder mittels einer dafür vor­gesehenen Software gestaltet sind, werden diese anschliessend auf das Glasobjekt übertragen und in mehreren Schleifstufen bearbeitet. Beim Gravieren werden die gewünschten Muster zumeist mit Hil­fe einer kleinen Kupferscheibe übertragen, die auf einer waagrecht rotierenden Spindel bzw. Welle befestigt ist (Gravierrädchen). Neben der Kupfergravur wird oft auch die Diamant- und Steingravur praktiziert. Dabei arbeiten die Glasveredler bzw. Glasveredlerinnen mit Rädchen aus Diamanten oder Korund- und Kunststein anstelle von Kupferrädchen. Vermehrt kommen auch rechengesteuerte Gra­vurmaschinen zum Einsatz, die allerdings eine Überwachung des Fertigungsprozesses seitens der Glasveredler bzw. Glasveredlerinnen bedingen. Das Polieren unter Verwendung von Polierbändern und Scheiben aus Holz, Kork, Filz oder Leder stellt den finalen Arbeitsschritt im Rahmen eines Glas­veredlungsprozesses dar.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

[2] Neben den glasver- oder bearbeitenden Handwerken gab es im Mittelalter noch die Berufsgruppe, die für die Glasproduktion zuständig waren, wie z.B. die Glasbläser.

 

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Literatur

Mielke Heinz-Peter: Glasmacher und Glaser, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 89-94.

www.berufenet.arbeitsagentur.de → Eintrag Glasveredler/in EFZ, https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=29000, abgerufen am 13.10.2017.

 


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
5 - 10
23 Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden
2319 Herstellung, Veredlung und Bearbeitung von sonstigem Glas einschliesslich technischen_x000d_Glaswaren

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

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