Glaser/in, Verglaser/in

Die Glaser[1], die sowohl die Butzenscheiben[2] als auch das Tafelglas (Bearbeitungsmaterial) aus den Glashütten bezogen, waren zunächst ausschliesslich für die Herstellung von Fensterverglasungen und Fensterbemalungen von Kirchen- und Klosterbauten besorgt. Erst um die Mitte des 16. Jahrhundert mit dem Aufkommen von mehrgeschossigen Bürgerhäusern mit zahlreichen Fensterreihen bot sich für die Glaser, die bis dahin ein kleines Handwerk darstellen und in Mischzünften mit anderen Glas­veredlungshandwerken[3] (z.B. Glasmalern, Glasschleifern, Hintergalsmalern, Bleiglasern) organisiert waren, ein breites Betätigungsfeld auch ausserhalb von Kirchen- und Klosterbauten dar.

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In der frühen Neuzeit konnte sich das Glaserhandwerk schliesslich als selbstständiges Handwerk e­tablieren, das sowohl die weite Wanderschaft der Gesellen als auch die Mitarbeit von Meisterfrauen zuliess.

In der heutigen Zeit sind Glaser/innen EFZ nach einer vierjährigen Ausbildung nicht nur für die Fen­sterverglasung verantwortlich, sondern stellen darüber hinaus mit Hilfe von computergesteuerten Anlagen unteranderem Fassaden, Dächer, Treppen, Geländer, Böden und Duschen aus Glas her und sind auch für deren Montage zuständig. Liessen sich früher mit dem Lötkolben die Bleiruten verbin­den, mit dem Bleihammer das Blei formen und mit dem Kröseleisen das erwärmte Glas trennen, so finden gegenwärtig vielmehr computergesteuerte Anlagen und elektrische sowie pneumatische Handwerkzeuge Anwendung. Mit deren Hilfe und dank der vielseitigen Bearbeitungsmöglichkeiten von Glas werden in den Werkstätten grosse Glastafeln zu hochwertigen Produkten für den Innen- und Aussenbereich hergestellt.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

[2] „Am Boden einer kleinen geblasenen Kugel wurde ein Hefteinsen eingesetzt – das ergab den Butzen/Batzen – und die Kugel von der Glasmacherpfeife abgetrennt. Mit einem Holz formte man die Kugel zu einem kleinen Teller“ (Bernert, 2012, S. 152).

[3] Neben den glasver- oder bearbeitenden Handwerken gab es im Mittelalter noch die Berufsgruppe, die für die Glasproduktion zuständig waren, wie z.B. die Glasbläser.

 

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Literatur

Bernert Helmut: Der Gläsner. Glasherstellung und damit verbundene Gewerbe, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 147-158.

Mielke Heinz-Peter: Glasmacher und Glaser, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 89-94.

Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 74.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Glaser/in, https://berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=3117, abgerufen am 10.10.2017.

 


Gefährdung
Geringer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
43 Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe
433403 Glaserei

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Glaser/in EFZ

Fachrichtung

Berufsnummer 40403

Lernende 151

Kontakt

Schweizerischer Flachglasverband SFV
Rütistrasse 16
8952 Schlieren
Tel.: +41 44 755 50 40
E-Mail: info@sfv-asvp.ch
www.sfv-asvp.ch

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