Glasapparatebauer/in

Das Glasapparatebauerhandwerk, welches eine Spezialisierung innerhalb des glasverarbeitenden Gewerbes darstellt, hat ihren Ursprung im Mittelalter. Zu dieser Zeit hiess der Glasapparatebauer[1] Instrumentenmacher und war insbesondere für die Herstellung von Thermometern, Barometern und Apparaturen für Laboratorien zuständig. Heute fertigt er nach einer dreijährigen Grundausbildung aus meist industriell vorgefertigten Glas­röhren Glasapparate und Hohlgläser für experimentelle Zwecke in Laboratorien, in der Verfahrens­technik und in der Medizin.

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Zur Formgebung wird dabei, wie in der Glasbläserei, das in der Flamme flüssig gemachte Glas (meist Duranglas und Quarzglas[2]) geblasen, gedreht und mechanisch bearbeitet. Im Gegensatz zum Glasblä­ser arbeitet der Glasapparatebauer nicht am Ofen, sondern häufig sitzend vor der 1200 bis 1600° Cel­sius heissen Flamme eines Gebläsebrenners. Wenn es darum geht einen Kolben zu blasen, kommen neben dem Gebläsbrenner auch Graphitkoh­leformen (halbierte Negativform eines Kolbens) zur Anwendung, mit denen sich die vorgegebene Grösse eines späteren Kolbens genau einhalten lässt. Die Kluppe ist ein weiteres Werkzeug, die aufgrund ihrer vier Haltearmen das Hantieren eines heis­sen Werkstücks besonders gewährleistet. Müssen zwischen den einzelnen Bearbeitungsschritten schwere Teile wiederholt erhitzt und abgesetzt werden, kommt auch der Rollbock zum Einsatz.

 

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Glasapparatebauerin.

[2] Zu den häufig bearbeiteten Materialien gehören besonders temperaturbeständige Glasarten wie Duranglas und Quarzglas. Letzteres ist nicht nur temperaturbeständig, sondern auch Lichtdurchlässig und frei von inneren Spannungen.

 

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Literatur

Bernert Helmut: Der Gläsner. Glasherstellung und damit verbundene Gewerbe, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 147-158.

Mielke Heinz-Peter: Glasmacher und Glaser, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 89-94.

Reiter Raimond: Altes Handwerk. Der Glasbläser (Glasapparatebauer). Hannover 1993.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Glasapparatebauer, abgerufen am 14.2.2018.


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
23 Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden
2319 Herstellung, Veredlung und Bearbeitung von sonstigem Glas einschliesslich technischen Glaswaren

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Glasapparatebauer/in (EFZ/BS)

Fachrichtung

Berufsnummer 40104

Lernende 7

Kontakt

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Clarastrasse 13
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