Geschirrflicker/in

Der Geschirrflicker reparierte beschädigtes Tongeschirr aller Art. Nach Prüfung des Schadens – damit ein Riss oder Sprung ausgebessert werden konnte, durfte er nur in einer Richtung verlaufen –wurde zuerst die Spalte angeritzt, damit der später aufgetragene Kitt besser hielt. Danach wurden mit dem Drillbohrer beidseits des Risses Haftlöcher gebohrt; um zu verhindern, dass beim Bohren ein Stück absprang, musste dabei auf einen ausreichenden Abstand zum Riss geachtet werden. Die Anzahl der Haftlöcher richtete sich nach der Länge des Risses. Als Haften wurden Draht oder Nägel verwendet. Nägeln mussten hierfür erst die Köpfe abgezwackt werden, anschliessend wurden sie durch Abwinkeln der Enden zu Klammern geformt, die in die vorgebohrten Haftlöcher passten. Die Draht- oder Nagelklammern sollten eine gewisse Spannung auf das Gefäss ausüben, bei ihrer Anfertigung war deshalb gutes Augenmass erforderlich. Die Klammern werden in die Haftlöcher eingesetzt und leicht festgeschlagen. Zum Schluss wurden die Bohrlöcher und die Spalten mit Kitt ausgestrichen. Damit war das Gefäss wieder dicht.

Porzellangeschirr konnte vom Geschirrflicker nicht repariert werden, da Porzellan für die beschriebene Technik des Haftens zu hart ist.

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Geschichte

Geschirrflicker waren schon in der Antike am Werk, wie auf Reparaturen zurückzuführende Bohrlöcher an griechischen und römischen Keramikgefässen belegen. Sie waren in ganz Europa noch bis ins 19. Jahrhundert weit verbreitet. Der Geschirrflicker zog typischerweise von Hof zu Hof und von Stadt zu Stadt, um seine Dienste anzubieten und beschädigtes Geschirr an Ort und Stelle zu reparieren. Industrialisierung, neue Materialien und veränderte Konsumgewohnheiten führten zum Niedergang des Handwerks: Im Zeitalter von Massenproduktion, Plastikgeschirr und Wegwerfmentalität bleibt für Geschirrflicker nichts mehr zu tun übrig. In der Schweiz gab es bereits um die Mitte des 20. Jahrhunderts beinahe nirgends mehr Geschirrflicker, nur in abgelegenen ländlichen Gebieten war hie und da noch ein Veteran anzutreffen. Mit dem Tod dieser letzten Vertreter ist das Handwerk in der Schweiz ausgestorben.

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Literatur

Hugger Paul, Marti Hans: Ein „Beckibüetzer“ (Geschirrflicker) aus dem Napfgebiet, in: Hugger Paul (Hg.): Altes Handwerk, Heft 31, Basel 1972. 


Gefährdung
Ausgestorben
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
20 - 25
23 Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden
2341 Herstellung von keramischen Haushaltswaren und Ziergegenständen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

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