Frivolitémacher/in

Der französische Begriff Frivolité wird mit Frivolität oder Leichtigkeit in Bezug auf eine Person oder mit Nutzlosigkeit für eine Beschäftigung übersetzt. Über die Herkunft dieses Begriffs gibt es zweierlei Theorien. Einerseits könnte sich dieser auf die einst mit Spitze dekorierte Unterwäsche beziehen und anderseits wird vermutet, dass damit die vertraulichen Gespräche der knüpfenden Frauen gemeint sind.

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Die Frivolitétechnik, die ursprünglich aus dem Orient stammt, war im Mittelalter an den französi­schen Königshöfen weit verbreitet. Zum Zeitvertreib knüpften die französischen Damen mit Schiff­chen aus Gold, Silber oder Elfenbein diverse dekorative Spitzen. Die meist aus Seiden-, Baumwoll- oder Leinenfaden bestehenden Spitzen wurden in der Regel mit einem oder zwei Schiffchen herge­stellt, indem um den Leitfaden Kreise, Bogen oder Ösen geknüpft wurden. Die so entstandenen Spit­zen nannte man Schiffchenspitzen. Die Klöppelspitzen dagegen wurden auf einem Klöppelkissen ge­arbeitet. Andere Spitzenarten wie z.B. die Nadelspitzen erforderten andere Hilfsmittel. Zur Herstel­lung dieser Spitzenart wurden mit einer Nadel verschiedene Schlingstiche auf vorgespannten Fäden aufgebaut, die meist auf Leder oder Pergament aufgenäht waren.

Die Frivolitétechnik hat sich im Verlaufe der Zeit wenig verändert. Die Grundtechnik besteht weiter­hin im Umknoten eines Fadenringes. Dabei kann man mit einem oder mehreren Fadenschiffchen ar­beiten. Die geknüpften Spitzen haben im Wandel der Zeit nicht an Feinheit und Stabilität verloren. Alleine die dabei eingesetzten Werkzeuge und Hilfsmittel sind etwas anders. Wurden früher Schiff­chen aus Gold, Silber oder Elfenbein eingesetzt, so werden heute vorwiegend Schiffchen aus Kno­chen, Horn oder Holz verwendet. Anstelle von Leder und Pergament werden heute Plastikfolien ver­wendet.

Die aussterbende Kunstfertigkeit der Frivolité wird heute zwar nicht nur zum Zeitvertreib ausgeübt, dennoch wird das Handwerk der Frivolitémacher/innen[1] in der Schweiz meist nebenberuflich betrie­ben.

 

[1] Alternative Schreibweise: Frivolitémacherin bzw. Frivolitémacherinnen.

 

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Literatur

Andreas Tschopp: Traditionelles Handwerk: Frivolitémacherin, in: blickwinkel. Das Magazin von FAU Fokus Arbeit Umfeld (Hg.), Baar 2018, S. 38-39.

www.vss-fds.ch → Vereinigung Schweizerischer Spitzenmacherinnen, abgerufen am 13.3.2019.


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
deutschsprachige Schweiz,
Ausführende
> 50
13 Herstellung von Textilien
1399 Herstellung von sonstigen Textilwaren a. n. g.

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

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