Drechsler/in

Drechsler/innen verarbeiten Massivholz zu gedrechselten Produkten. Sie stellen Innenausbauteile wie Tisch- und Stuhlbeine, Säulen und Treppengeländer her, Gebrauchsobjekte wie Schalen, Schüsseln, Teller und Pfeffermühlen, oder auch Spielzeug, Schmuck, Musikinstrumente und Kunstobjekte. Schier unerschöpflich ist auch der Formenreichtum der Produkte. Wichtigstes Arbeitsgerät des Drechslers* ist die Drehbank. Nach dem Entwerfen und Skizzieren eines Objektes wird ein geeignetes Holzstück zugesägt und in die Drehbank eingespannt. Das rotierende Holzstück wird mit scharfkantigen Drechselwerkzeugen – die wichtigsten sind Drehröhre und Drehmeissel – bearbeitet, bis die gewünschte Form erreicht ist. Das gedrechselte Objekt wird abschliessend je nach Verwendungszweck geschliffen, gebleicht, gebeizt, gefärbt oder lackiert.

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Die Drechsler-Ausbildung dauert vier Jahre und führt zum eidgenössisch anerkannten Abschluss „Holzhandwerker/in EFZ, Fachrichtung Drechslerei“. Wichtigste Voraussetzungen sind neben handwerklichem Geschick ein ausgeprägtes Formengefühl und gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Beim Drechseln fliegen die Späne im wahrsten Sinne des Wortes, Unempfindlichkeit gegen Holzstaub ist deshalb ebenfalls unerlässlich.

 

Geschichte

Gedrechselt wurde bereits in der Antike. Von den alten Ägyptern über die Griechen zur Zeit Homers bis zu den Kelten und Germanen: Überall zeugen Hinweise auf gedrechselte Objekte oder konkrete Funde von der frühen und weiten Verbreitung des Drechslerhandwerks. Im mittelalterlichen Europa waren die Klöster wichtige Bewahrer der Drechslerkunst; namentliche Erwähnung findet diese auf dem berühmten St. Galler Klosterplan aus dem Jahr 820, auf welchem eine Werkstatt für Drechsler eingezeichnet ist. Aus dem Hochmittelalter sind bereits zahlreiche Quellen überliefert, die die weiträumige Verbreitung des Gewerbes im deutschen Sprachraum belegen. Drechsler fertigten einfache Möbel und Gegenstände des häuslichen Bedarfs, aber auch für andere Berufszweige wichtige Geräte wie zum Beispiel Spinnräder. Ab der Renaissance wurde die Produktepalette, angeregt durch den verfeinerten Lebensstil von Aristokratie und Grossbürgertum, nicht nur stetig grösser, sondern auch zunehmend raffinierter. Im Zeitalter des Barock entstand schliesslich ein eigenständiges Kunsthandwerk; die Kunstdrechsler verarbeiteten nicht nur Edelhölzer, sondern auch andere kostbare Materialien wie Horn, Elfenbein, Perlmutt, Schildpatt und Edelmetalle.

Frühester Vorläufer der heutigen Drehbank war der sogenannte Fideldrehstuhl, der bereits im Altertum bekannt war und bis ins 15. Jahrhundert verwendet wurde. Einen enormen technischen Fortschritt brachte im 13. Jahrhundert die Erfindung der Wipp-Drehbank. Sie ermöglichte noch keine kontinuierlichen Arbeitsgänge, war aber in ländlichen Gegenden noch bis ins frühe 19. Jahrhundert gebräuchlich. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden Passig-Drehbänke und über Kurbel-, Tritt- und Schwungräder angetriebene Fussdrehbänke entwickelt. Seit dem 16. Jahrhundert wurde auch Wasserkraft für den Antrieb der Drehbänke genutzt. Im 19. Jahrhundert wurden schliesslich motorbetriebene Drehbänke entwickelt.

Auch das Drechslerhandwerk wurde von der Mechanisierung im Zuge der Industrialisierung getroffen und zunehmend von der fabrikmässigen Produktion verdrängt. Der Niedergang setzte bereits im 19. Jahrhundert ein. Im 20. Jahrhundert ging die Zahl der selbständigen traditionellen Handwerksbetriebe weiter zurück. Heutige Drechslereien produzieren häufig Serienprodukte und sind Zulieferer zum Beispiel der Möbelindustrie. Daneben stehen aber nach wie vor die handwerkliche Anfertigung von Einzelstücken und das Kunsthandwerk.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Hugger Paul: Die gewundene Säule. Die Arbeit des Drechslers, in: Hugger Paul (Hg.): Sterbendes Handwerk, Heft 15, Basel 1967.

Kurszentrum Ballenberg & Schweizerischer Gewerbeverband sgv (Hg.): Die Jungen Schweizer Macher: Handwerk 2014. Handwerk 1/2014, Sonderausgabe Swissskills Bern 2014, S. 4-5. PDF

Lenzin Werner: Traditionelles Handwerk in der Schweiz, Frauenfeld 1991, S. 29-34.

Rodekamp Volker: Drechsler, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 64-68.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Holzhandwerker/in EFZ, https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?lang=de&idx=12&id=7697, abgerufen am 11.02.2017.


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
16 Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)
1629 Herstellung von Holzwaren a. n. g, Kork-, Flecht- und Korbwaren (ohne Möbel)

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Holzhandwerker/in EFZ

Fachrichtung Drechslerei

Berufsnummer 30203

Lernende 13

Schweizerischer Drechslermeister Verband
Ruedi König (Präsident)
Konstanzerstrasse 69
9500 Will SG
E-Mail: info@drechsler-verband.ch
www.drechsler-verband.ch

Schule für Holzbildhauerei
Schleegasse 1
3855 Brienz
Tel.: +41 33 952 17 51
E-Mail: schule@holzbildhauerei.ch
www.holzbildhauerei.ch

Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg
Diverse Drechsler-Kurse, Niveau Anfänger bis Fortgeschrittene.
Für aktuelle Kurse s. Rubrik "Holz".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

Kontakt

Schweizerischer Drechslermeister Verband
Ruedi König (Präsident)
Konstanzerstrasse 69
9500 Will SG
E-Mail: info@drechsler-verband.ch
www.drechsler-verband.ch

IGKH Interessengemeinschaft KunstHandwerk Holz
3855 Brienz
Tel.: +41 79 853 88 99
E-Mail: ig@kunsthandwerk-holz.ch
www.kunsthandwerk-holz.ch

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Berufsbild "Holzhandwerker/in EFZ", www. berufskunde.com

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