Dachdecker/in

Dachdecker[1] sind für das Isolieren und Decken von Steildächern mit Tonziegeln, Naturschiefer, Faser­zement und Metall zuständig. Ihre Arbeit beginnen sie zumeist mit der Einrichtung der Baustelle und der Organisation der Arbeitsabläufe. Im Rahmen dieses ersten Arbeitsschrittes wird anhand von Plä­nen und Zeichnungen die Deckmaterialmenge und das Material für das Unterdach und die Wärme­dämmung ermittelt, weshalb hierbei sowohl rechnerische als auch zeichnerische Fähigkeiten von Nö­ten sind. Nach der Planung und Vorbereitung der Dachdeckarbeiten, gilt es bei deren Durchführung höchste Präzisionsarbeit zu leisten, sodass weder Kälte und Hitze noch schädliches Kondenswasser in die Bauteile eindringen kann. Soll zudem das darunterliegende Dachgeschoss auch ausgebaut wer-den, so sind andere Arbeitsprozesse notwendig, die weitere Anforderungen an die Dachdecker stel­len, wie beispielsweise ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und technisches Verständnis.

Weitere handwerkliche Arbeitsschritte wie das Einsetzen von Schichten und Systemen an der Gebäu­dehülle und das Verlegen sowie Warten und Reparieren der Dachsysteme erfordern neben hand­werklichem Geschick auch Teamfähigkeit, Schwindelfreiheit und Kenntnisse über die Vorschriften sowie Massnahmen zu Arbeitssicherheit, Gesundheit- und Umweltschutz.

Hinsichtlich der zunehmenden Bedeutung der solaren Stromversorgung verfügen Dachdecker in der heutigen Zeit auch über entsprechende Kompetenzen in der Montage von Solaranlagen.

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Die Ausbildung zum Dachdecker dauert drei Jahre und führt zum eidgenössisch anerkannten Absch­luss „Dachdecker/in EFZ“. Nach einer zweijährigen beruflichen Grundbildung ist ausserdem der Er­werb eines eidgenössisch anerkannten Berufsattestes mit der Bezeichnung „Dachdeckerpraktiker/in EBA“ möglich.

 

Geschichte

Dächer haben im Laufe der Menschheitsgeschichte neben ihrer schützenden Funktion gegenüber Klimaeinwirkungen auch andere Aufgaben übernommen. So wurden sie aufgrund ihrer Form, Kon­struktion und ihres Materialwerts ein prägender architektonischer Bestandteil von Ortschaften. Wäh­rend im schweizerischen Mittelland beispielsweise aufgrund der einst dominierenden Strohbauweise Satteldächer zum typischen Landschaftsbild gehören, sind andere Gegenden der Schweiz vielmehr durch kegelförmige, kuppelförmige, pyramidenförmige und prismatische Dächer gekennzeichnet. Von den örtlichen Verhältnissen und dem gewählten Deckungsmaterial hängt nicht nur die Dachform sondern auch die Neigung eines Daches ab. Letzteres wird zumeist in den folgenden vier Kategorien unterteilt: Flachdach, flach geneigtes Dach, mittelsteiles und steiles Dach. Diese Differenzierung aller­dings hat nicht allzu lange Bestand, denn noch bis ins Mittelalter war der Bauer zugleich Hausbauer und Dachdecker. Dabei waren die umliegenden Naturbaustoffe wie Schilfrohr, Stroh oder Schindel aus Holz, die sich zudem ohne handwerkliches Spezialwissen einsetzen liessen, ausschlaggebend für die Konstruktion des Hauses und des Daches.

Erst im 14. Jahrhundert lässt sich im deutschsprachigen Raum eine Art Spezialisierung im Bauhand­werk feststellen und damit auch der Ursprung des Dachdeckerhandwerks. Zwar werden Dachdecker­arbeiten bis ins 19. Jahrhundert gebietsweise immer noch von Zimmerleuten und Maurern ausge­führt, dennoch gilt das Dachdecken fortan als eigenständige Gewerke.

 

[1] Für bessere Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Reith Reinhold: Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008.

Schrader Mila: Reet & Stroh als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber, Suderburg-Hösseringen 1998.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Dachdecker/in EFZ, https://berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=9947, abgerufen am 09.05.2017.

www.berufskunde.ch → Eintrag Dachdecker/in EFZ, https://www.berufskunde.com/chd/ausbildungsberufe-a-bis-z/dachdecker, abgerufen am 09.5.2017.


Gefährdung
Geringer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
43 Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe
4391 Dachdeckerei und Zimmerei

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Dachdecker/in EFZ

Fachrichtung

Berufsnummer 51908

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