Bürstenbinder/in

Beim Handwerk des Bürstenbinders[1] handelt es sich um eine Handwerkkunst, die bis zur ersten Hälf­te des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum keine Seltenheit darstellte. Mit der Entstehung der ersten Bürstenfabriken gegen Mitte des 19. Jahrhunderts und des vermehrten Einsatzes der Ein­stanztechnik sowie der damit einhergehenden Entstehung kapitalistischer Marktverhältnisse wurde das Handwerk des Bürstenbinders vollständig verdrängt. Seit 1984 wird es in Deutschland unter der veränderten Berufsbezeichnung „Bürsten- und Pinselmacher/in“ weitergeführt (vgl. hierzu den Bei­trag zum Bürstenmacher/in).

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Zwischenzeitlich gerät das Handwerk des Bürstenbinders aufgrund eines naheliegenden Wortspiels in einem schlechten Ruf. Wie dies auch das folgende Gedicht von Hans Sachs bestätigt:

Ein Bürstenbinder nennt man mich /

Allerley gattung mache ich /

Schön bürsten für Frauwn vnd junckfrauwn /

Mit Golt vmbzogn lustig zuschauwn /

Auch Börstwüsch für das Haussgesind /

Auch bürstn damit man Gläser schwenckt /

Wo die mit vnlust wern behenckt

(Jost Amman, Hans Sachs: Ständebuch von 1568)

Das Bürstenhandwerk liess sich insofern mit Trunkenheit in Verbindung bringen, als das Wort bür­sten früher auch im Sinne von trinken, saufen und zechen durchaus Verwendung fand. Insbesondere im 17. Jahrhundert war weitgehend die Rede von den durstigen Bürstenbindern und daher auch die Redensart „Saufen wie ein Bürstenbinder“. Diese Redewendung war in aller Munde und findet teil­weise immer noch Verwendung.

 

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Literatur

Bauer Michaele: Bürstenbinder, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 58-60.

Ruschel Adalbert: Der Handwerksfriedhof. Sankt Rochus zu Nürnberg, Nordstedt, 2016, S. 194.

 


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
20 - 25
32 Herstellung von sonstigen Waren
3291 Herstellung von Besen und Bürsten

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

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