Buchbinder/in, Handbuchbinder/in

Buchbinder/innen schneiden, kleben, falzen, heften und binden Bücher und andere Drucksachen und fertigen Einbände, Schachteln, Alben etc. Sie stellen auf Kundenwunsch kunstvolle Einzelstücke in Handarbeit her oder produzieren, teils unterstützt durch Maschinen, Kleinserien. Durch die Ausrichtung auf den Einzelkunden sind Buchbindereien überwiegend kleinere Ateliers. Neben Neuanfertigungen restaurieren Buchbinder* im Auftrag von Bibliotheken, Archiven oder privaten Sammlern auch wertvolle alte Bücher.

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Die elementaren Arbeitsprozesse beim Binden eines Buches haben sich über Jahrhunderte kaum verändert. Der erste Schritt ist das Vorrichten des Buches. Die Buchseiten werden gefaltet, ausgerichtet und in die richtige Reihenfolge gebracht. Danach werden sie in die Heftlade eingelegt. Die Heftlade besteht aus einem Grundbrett und zwei bis fünf an einer Seite von diesem senkrecht aufgespannten Bändern, den sogenannten Bünden. Die Papierbogen werden mit ihren Rücken an die Bünde gelegt und mit Heftnadel und Faden lagenweise geheftet. Bei der Heftung werden nicht nur die einzelnen Lagen miteinander verbunden, sondern auch die Bünde an den Buchrücken genäht. Anschliessend wird der Buchrücken rechtwinklig ausgerichtet, mit Leim bestrichen und zur Verstärkung mit einem textilen Gewebe beklebt. Nach dem Trocknen wird der Buchrücken mit dem Hammer oder maschinell gerundet, danach wird das Buch in die Presse gelegt. Die heute meist aus Karton bestehenden Buchdeckel werden vorbereitet, der Buchblock wird zugeschnitten und geschliffen und mit den Deckeln verbunden. Abschliessend wird das Buch eingebunden, gebräuchliche Materialien hierfür sind zum Beispiel Pergament, Leinen, Leder oder Kunstleder.

Das Handwerk des Buchbinders bildet heute eine von vier Fachrichtungen im Beruf des Printmedienverarbeiters. Die Ausbildung zum „Printmedienverarbeiter EFZ, Fachrichtung Buchbinderei“ dauert vier Jahre.

 

Geschichte

Eine Art früher „Buchbindekunst“ betrieben bereits die Römer: Sie hefteten ihre wächsernen Schreibtafeln mit Ringen oder Lederriemen zusammen. Geheftete Papyrus- und Pergamentblätter sind ab dem 4. Jahrhundert belegt; im römisch-byzantinischen Reich entstanden in der Folgezeit die ersten kunstvoll gebundenen Bücher. Im europäischen Mittelalter wurde die Buchbinderei in den Klöstern als Kunsthandwerk betrieben. Die Bücher wurden in Pergament oder Leder eingebunden und die Einbände vielfach künstlerisch ausgestaltet und reich verziert. Im 14. Jahrhundert begann sich das Handwerk von den Klöstern zu lösen und in Zünften zu organisieren, aber erst die Erfindung des Buchdruckes um die Mitte des 15. Jahrhunderts brachte den entscheidenden Aufschwung. Buchbinder genossen durch die jahrhundertelange Verbindung mit Kirche und Wissenschaften Ansehen und mancherorts auch Privilegien. So besassen sie zum Beispiel in vielen Universitätsstädten akademisches Bürgerrecht oder erhielten Steuervorteile. Sie zeichneten sich oft durch einen gegenüber anderen Handwerken hohen Bildungsstand aus.

Auch das Handwerk des Buchbinders wurde von der im 19. Jahrhundert einsetzenden Mechanisierung betroffen und zunehmend zurückgedrängt. Heute hat die Handbuchbinderei gegenüber der industriellen Herstellung von Büchern jede Bedeutung verloren. Handarbeit ist aber für Spezial- und Einzelaufträge, Kleinserien und die Restaurierung wertvoller alter Bücher weiterhin gefragt.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Elkar Rainer S.: Buchbinder und Futteralmacher, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 42-46.

Lenzin Werner: Traditionelles Handwerk in der Schweiz, Frauenfeld 1991, S. 17-22.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Printmedienverarbeiter/in EFZ, https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?lang=de&idx=12&id=6689, abgerufen am 11.02.2017. 


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
15 - 20
18 Herstellung von Druckerzeugnissen; Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern
1814 Binden von Druckerzeugnissen und damit verbundene Dienstleistungen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Ja

Beruf Printmedienverarbeiter/in EFZ

Fachrichtung Buchbinderei

Berufsnummer 35311

Lernende 21

Paritätische Berufsbildungsstelle für visuelle Kommunikation PBS
Speichergasse 35
Postfach
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Tel.: +41 31 372 28 28
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www.pbs-opf.ch

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Speichergasse 35
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Tel.: +41 58 225 55 00
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Nicht formalisierte Aus-/Weiterbildung

Kurszentrum Ballenberg
Verschiedene Buchbinde-Kurse, Niveau Anfänger bis Fortgeschrittene.
Für aktuelle Kurse s. Rubrik "Druck und Papier".
Tel.: +41 33 952 80 40
E-Mail: info@ballenbergkurse.ch
www.ballenbergkurse.ch

Schule für Gestaltung Basel
In einsemestrigen Kursen (ein Abend pro Woche) werden die Grundlagen des Buchbindens
bis hin zur Realisierung eigener Projekte vermittelt.
Tel.: +41 61 695 67 70
E-Mail: laura.hochreutener@sfgbasel.ch
www.sfgbasel.ch

Kontakt

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