Bronzegiesser/in

Bronzegiesser[1] giessen aus geschmolzener Bronze Gefässe, Schmuck, Figuren, Zierobjekte, Statuetten und Statuen. Die Arbeit des Bronzegiessers umfasst allerdings meist weitaus mehr als den eigentlichen Guss: Sie beginnt mit der Herstellung des Gussmodells und endet mit der Oberflächenbearbeitung des gegossenen Objektes, der sogenannten Kaltarbeit.

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Das Material

Bronze ist eine Legierung aus rund 90% Kupfer und 10% Zinn. Reines Kupfer lässt sich schlecht giessen, da es beim Schmelzen Blasen bildet und leicht spritzt. Der Zusatz von Zinn macht die Metallschmelze nicht nur fester, sondern setzt auch den Schmelzpunkt herab.

 

Gussformen und Gussverfahren – wichtigste Grundprinzipien

Das einfachste und älteste Verfahren des Bronzegusses ist der sogenannte Herdguss: Das geschmolzene Metall wird in ein flaches Bett aus Stein oder gebranntem Ton gegossen. Die Oberseite bleibt offen, was beim Erkalten des Metalles auf dessen Oberfläche zu Unregelmässigkeiten führt. Der Herdguss eignet sich nicht nur für die Herstellung von flachen Metallplatten, sondern durch entsprechend angebrachte Vertiefungen im Boden der Gussform auch für Reliefs und kleinere flache Gegenstände. Die frühen Bronzegiesser stellten auf diese Weise zum Beispiel Speerspitzen, Sicheln und Nadeln her. Eine moderne und bis in die jüngste Vergangenheit hinein gebräuchliche Anwendung war das Giessen eiserner Herdplatten.

Versieht man die beschriebene Gussunterlage mit einem Deckel, der im Negativ die Vorlage für die Rückseite des zu giessenden Gegenstandes trägt, erhält man das Grundprinzip des modernen Sandgusses: Zwei genau aufeinander passende Formschalen aus stabilem Material (in frühester Zeit Stein, später vor allem Ton) werden von aussen fest zusammengepresst, und der Hohlraum im Innern wird über eine Öffnung mit flüssiger Bronze gefüllt. Nach Erkalten der Bronze wird der Deckel abgehoben und das Gussobjekt kann entnommen werden.

Herdguss und Sandguss ermöglichen die Wiederverwendung der Gussformen und damit den serienmässigen Guss von Objekten. Dies ist anders beim sogenannten direkten Wachsausschmelzverfahren. Das Vorgehen stark vereinfacht: Die Figur, die man giessen möchte, wird zunächst aus Wachs geformt. Die fertige Wachsfigur wird mit Ton, heute vielfach auch mit Keramik-Formmasse, Schamotte oder Kunststoff, umkleidet. Beim Brennen des Tons schmilzt das Wachs und fliesst über eine Öffnung ab, so dass im Innern der Tonform ein Hohlraum entsteht. In diesen Hohlraum wird daraufhin flüssige Bronze gegossen. Nach dem vollständigen Erkalten der Bronze wird der tönerne Mantel zerschlagen, und die Bronzefigur wird freigelegt.

Dies klingt einfach, hat aber in der Praxis zahlreiche Tücken. Eines der Hauptprobleme ist die Luft, die beim Giessen im Innern der Form eingeschlossen werden kann, was unweigerlich Gussfehler oder sogar Fehlgüsse zur Folge hat. Um dies zu verhindern, werden Entlüftungskanäle angelegt: An die fertig geformte Wachsfigur werden an geeigneten Stellen Wachsstäbe angefügt, die ebenfalls mit Ton ummantelt werden und beim Brennen Röhren zurücklassen, durch welche beim Guss die Luft entweichen kann.

Beim beschriebenen Verfahren entstehen also Bronze-Figuren ohne innere Hohlräume. Der Grösse solcher massiv gegossenen Figuren sind nicht nur aus Kostengründen Grenzen gesetzt: Die Bronzeschmelze schwindet beim Erkalten; je grösser die Oberfläche einer massiv gegossenen Figur, desto eher verformt sie sich oder sinkt ein.

Grössere Figuren werden deshalb im Hohlguss hergestellt. Hier befindet sich das Wachsmodell als dünne Schicht zwischen einem Kern und einem Mantel aus Ton. Damit sich Kern und Mantel beim Brennen und Ausschmelzen der Wachsschicht nicht gegeneinander verschieben können, müssen sie fixiert werden. Dies geschieht mittels sogenannter Kernhalter, Stangen aus Eisen oder Bronze, die alle drei Schichten stabil miteinander verbinden. Der nach dem Guss im Innern der Bronzefigur verbleibende Kern wird heute meist entfernt.

 

Kaltarbeit

Eine frisch aus der Gussform geholte Bronzefigur erfährt meist noch mehrere Überarbeitungen, ehe der Bronzegiesser sein Werk als abgeschlossen betrachtet. Zunächst müssen die Einguss- und Entlüftungstrichter abgetrennt und, wenn vorhanden, die Kernhalter entfernt werden. Je nach Geschmack des Bronzegiessers oder des Auftraggebers folgen weitere, mehr oder weniger umfangreiche Bearbeitungsschritte. Dazu gehören zum Beispiel das Abschleifen und Glätten der stumpfen und unregelmässigen Gusshaut, die Beseitigung von Gussfehlern und schliesslich die Gestaltung der Oberfläche mittels Feilen, Sticheln, Meissel und Punzen.

 

Ausbildung

Der Bronzeguss ist ein ausgesprochenes Kunsthandwerk und erfordert zusätzlich zu handwerklichem Geschick auch ausgeprägte gestalterische Begabung, Sinn für Ästhetik und praktischen Kunstverstand. Das Handwerk des Bronzegiessers kann heute in der Schweiz nicht mehr über die reguläre Berufsbildung erlernt werden. Als Basis empfiehlt sich die Ausbildung in einem verwandten Handwerk, zum Beispiel zum Gussformer EFZ oder zum Gusstechnologen EFZ.

 

Geschichte

Die Geschichte des Bronzegusses nahm ihren Anfang in der Region von Nordmesopotamien und dem heutigen Anatolien. Dieser Anfang liegt weit zurück: Der gezielte Abbau von Kupfererz, dessen Verhüttung zu Kupfer und anschliessende Weiterverarbeitung durch Guss- oder Schmiedeverfahren lässt sich bis ca. 6000 v. Chr. zurückverfolgen (→ Verhütter, Kupferschmied, Schmied, Giesser). Die ersten Kupferlegierungen waren sicherlich Zufallsprodukte aus Mischerzen, vor allem Arsen und Blei waren häufige Beimengungen. Die Feststellung, dass sie sich besser giessen liessen als reines Kupfer, führte zu Experimenten mit verschiedenen Zusammensetzungen. Ab ca. 3000 v. Chr. wurde die Kupfer-Zinn-Legierung Bronze allmählich häufiger und schliesslich so dominant, dass sie namensgebend für die ganze Epoche von 3000-1000 v. Chr. wurde: die Bronzezeit.

Die frühen Sumerer waren bereits geschickte Bronzegiesser. Von Mesopotamien aus verbreitete sich die Technik nach Ägypten und die anderen alten Kulturen des Mittelmeerraumes und wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. war man mithilfe des Wachsausschmelzverfahrens in der Lage, auch komplizierte Formen zu giessen.

Die „Kupferinsel“ Zypern war während vielen Jahrhunderten eine der wichtigsten Lieferantinnen von Kupfer für den gesamten Mittelmeerraum.

 

Frühe Bronzegiesser auf dem Gebiet der heutigen Schweiz

Die Techniken der Metallurgie verbreiteten sich ab ca. 5000 v. Chr. vom Balkan aus in ganz Europa. Ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. lässt sich die Verarbeitung von Kupfer in der Schweiz nachweisen. Ab 2200 v. Chr. beginnt schliesslich auch in Europa die Bronzezeit. Zu den gut untersuchten Fundstätten der späteren Bronzezeit gehören die Reste einer Siedlung am Zugersee, die ca. von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. bewohnt war. Hier wurden unter anderem mehrere hundert Bronzeobjekte gefunden. Überreste von Gussformen belegen, dass bei der Herstellung die klassischen Gussverfahren – Herdguss, Guss in ein- oder zweischalige Sandsteinformen, Wachsausschmelzverfahren – zum Einsatz gekommen waren. Die Analyse von tönernen Gussformen ergab, dass dem Ton unter anderem Kuhmist, Kuhhaare und zermahlene Knochen beigegeben wurden. Beim Brennen der Tonformen verbrannten die organischen Beimengungen, der Ton wurde porös und konnte beim Guss die Luft aufnehmen, die durch die Bronzeschmelze verdrängt wurde.

 

Bronzeguss in der Antike

In der griechischen Klassik des 5. Jahrhunderts v. Chr. erreichte der Bronzeguss seine höchste Blüte. Die Bronzestatuen dieser Epoche waren Kunstwerke von einer Vollendung, die auch mit unseren heutigen modernen Methoden kaum erreicht wird. Wichtige technische Voraussetzungen für diese Blüte waren einige vorangegangene Neuerungen. Eine davon war der „steigende Guss“: Während ursprünglich die Bronze von oben in die Form eingegossen wurde, wird die Metallschmelze beim steigenden Guss von unten her in die Form geleitet, so dass sie diese von unten nach oben durchwandert und bis zuletzt in Bewegung bleibt. Die Bildung grösserer Blasen und der Einschluss von Schlacken können dadurch vermieden werden. Eine zweite entscheidende Neuerung war der Hohlguss (s. oben, Gussformen und Gussverfahren). Im Orient seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bekannt, hatte sich dieses Verfahren in Griechenland erst ab ca. 800 v. Chr. zu etablieren begonnen.

Als „Bronzen“ wurden in der Antike nicht nur Kupfer-Zinn-Legierungen bezeichnet, sondern auch andere Kupferlegierungen mit ungefähr denselben Materialeigenschaften, so zum Beispiel die bereits erwähnten Legierungen aus Kupfer und Blei oder Kupfer und Arsen. Zinn war teuer und nicht immer einfach zu bekommen, weshalb häufig auf billigere und leichter verfügbare Alternativen ausgewichen wurde.

Häufig wurden für den Guss auch kaputte oder ausrangierte Metallobjekte wieder eingeschmolzen. Frühe Bronzegiesser hatten nicht die Möglichkeit, die Legierung eines bronzenen Gegenstandes unbekannter Herkunft genau zu analysieren. Anhaltspunkte auf die Zusammensetzung eines Metalls gaben aber zum Beispiel seine Flexibilität beim Biegen und die Farbe seiner Bruchstellen. Mit der gezielten Zugabe von anderen Metallstücken konnten dann die Eigenschaften der Metallschmelze beeinflusst werden.

 

Europa in Mittelalter und Früher Neuzeit

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches setzte in Europa in der Metallbearbeitung ein Niedergang ein. Es dauerte Jahrhunderte, bis die europäischen Bronzegiesser den Stand der antiken Handwerkskunst erneut erreicht hatten. Erst in der Renaissance wurden, zunächst in Italien, wieder Werke von sowohl künstlerisch als auch handwerklich-technisch hohem Rang gegossen. Im Kunstguss orientierte man sich an erhaltenen Werken der Römerzeit, entwickelte bald aber auch eine neue, eigene Formensprache. Aus Bronze gegossen wurden nicht nur Kunstobjekte, sondern auch Gebrauchswaren, beispielsweise Gefässe aller Art, sowie kirchliche Gerätschaften wie Glocken (→ Glockengiesser), Kelche oder Taufbecken.

Bronzeguss kam auch im militärischen Bereich zum Einsatz. Im 19. Jahrhundert wurde eine spezielle Kupferlegierung in grossen Mengen vergossen: Die sogenannte „Kanonenbronze“ enthielt Zinn, Zink und Blei (→ Rotgiesser) und wurde bevorzugt für die Herstellung von Geschützen und Gewehren verwendet.

 

Industrialisierung

Die Industrielle Revolution eröffnete den Metallgiessern neue Einsatzgebiete, brachte dem uralten Handwerk aber auch in vielem einen grundlegenden Wandel. Während Kunstgiesser weiterhin in kleinen Werkstätten individuelle Einzelstücke oder Kleinserien schufen, produzierten in der Industrie tätige Giesser grosse Serien identischer Werkstücke, auf deren Gestaltung sie in der Regel keinerlei Einfluss mehr hatten. Handwerk und Kunsthandwerk, die bis dahin fliessend ineinander übergegangen waren, waren fortan scharf voneinander getrennt.

 

Bronzeguss heute

Der heutige Bronzegiesser ist entweder Kunsthandwerker oder aber als Gusstechnologe oder Gussformer in der Industrie, beispielsweise im Maschinenbau, tätig.

[1] Für bessere Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Bauer Irmgard, Northover Peter: Bronzegiesser und Bronzeschmiede am Zugersee. Schriften des Kantonalen Museums für Urgeschichte Zug 45, Zug 2004.

Bol Peter C.: Antike Bronzetechnik. Kunst und Handwerk antiker Erzbildner, München 1985.

Engels Gerhard, Wübbenhorst Heinz: 5000 Jahre Giessen von Metallen, Düsseldorf 2007.

Neukirchen Florian: Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden. Eine kurze Geschichte der Metalle, Berlin/Heidelberg 2016.

Spycher Albert: Der Bronzeguss – ein antikes Kunsthandwerk, in: Hugger Paul (Hg.): Altes Handwerk, Heft 58, Basel 1991.


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
10 - 15
24 Metallerzeugung und -bearbeitung
2454 Buntmetallgiessereien

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Grundausbildung zu den Berufen Gussformer/Gussformerin EFZ oder
Gusstechnologe/Gusstechnologin EFZ:

 

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