Brillenmacher/in

Das Handwerk des Brillenmachers bzw. der Brillenmacherin galt lange Zeit als ausgestorben, bis in den letzten Jahren eine kleine Renaissance dieser Handwerkskunst begann. Es zeigen sowohl Stars als auch weniger vermögende Leute vermehrt Interesse an exklusiven und individuellen Sehhilfen. Für die Schweiz allerdings trifft der Begriff „Renaissance“ in diesem Zusammenhang bedingt zu. Zur­zeit gibt es Schweizweit eine einzige Lernende, die sich im Optikergeschäft von Yves-Louis Perret in Biel zur Brillenmacherin ausbilden lässt. Ob sie sich zur ersten Schweizer Brillenmacherin mit eidge­nössischem Fähigkeitszeugnis zählen kann, wird es sich noch herausstellen, denn es ist noch nicht sicher, dass die einjährige Ausbildung im Anschluss an die vierjährige Augenoptikerausbildung EFZ zum gewünschten Fähigkeitsausweis führt.

mehr lesen

Mit der zusätzlichen Ausbildung kommt der handwerk­lichen Herstellung von Brillen insofern verstärkte Bedeutung zu, als dass neu auch die Herstellung von Brillengestellen selbst von den Brillenmacherinnen und Brillenmachern vorgenommen wird. Bis­weilen gelangten die in Massenproduktion zumeist in den Asiatischen Ländern hergestellten Brillen­gestellen in die Schweiz und wurden hierzulande von den Augenoptikern und Augenoptikerinnen entsprechend eingesetzt (z.B. Beratung der Kundschaft bezüglich der Brillenfassung, Anpassung der Gläser in die Fassung usw.). Mit der zusätzlichen Ausbildung zum Brillenmacherinnen bzw. Brillen­macher nähert sich das Handwerk somit seiner ursprünglichen Form zu. So waren Brillenmacher und Brillenmacherinnen (auch Perspektivmacher und Perspektivmacherinnen genannt) Ende des 18. Jahr­hunderts sowohl um die Produktion von Gestellen (zumeist aus Eisen, Silber, Gold, Leder, Holz, Horn und Elfenbein) als auch um die Herstellung von entsprechenden Augengläsern und deren Verkauf besorgt.

Die ersten Brillen, die vermutlich im 14. Jahrhundert aufkamen, wurden „Nietbrillen“ genannt und stellten zwei in Eisenringen gefasste konvex geschliffene Gläser dar, die an einem angenieteten Stiel gehalten wurden. Darauf folgten die sogenannten Bügelbrillen, die auf der Nase festgeklemmt wur­den. Diese wurden zunächst von den „Mützenbrüllen“, die an der Mütze zu befestigen waren und später auch von den „Riemenbrillen“ abgelöst. Letztere wurde mittels eines Lederriemens um den Kopf gebunden. Des Weiteren wurden die Brillen auch an einem Fortsatz befestigt, der unter die Mütze oder Perücke versteckt wurde (Stirnfortsatzbrillen) und auch an einem um die Stirn getrage­nen Metallreifen (Stirnreifenbrillen). Zwischenzeitlich waren auch die sogenannten Lorgnetten im Gebrauch, die an einem Stiel vor den Augen gehalten wurden. Bevor die Brillenmacher auf die Idee kamen, die Brillen hinter dem Ohr zu befestigen wurde zunächst von einem Brillenmacher in Holland das erste Fernrohr konstruiert und damit auch der Beginn einer neuen Wissenschaft eingeleitet (Astronomie).

Im 18. Jahrhundert schliesslich kam man darauf die Brillen hinter dem Ohr zu befestigen und es folg­ten die sogenannten Drahtbrillen und später auch die Nickelbrillen. Die Brille wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts insofern weiterentwickelt, als dass dieses bis gegen Ende des 19. Jahrhundert selbst in den entlegensten Gegenden von den sogenannten Brillenmännern hoch gehandelt wurde. Die wandernde Brillenverkäufer (auch Brillenmänner genannt) waren nicht nur um den Verkauf von billi­gen Brillen besorgt, sondern sie kümmerten sich auch ausreichend um die Übermittlung von Klatsch und Tratsch.

 

Artikel als PDF

 

Literatur

Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 37-39.

www.berufsberatung.ch → Eintrag Brillenmacher/in, https://berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=3246, abgerufen am 11.09.2017.

www.20min.ch → Célestes Lehrberuf ist landesweit einzigartig, https://www.20min.ch/schweiz/bern/story/30131276, abgerufen am 11.09.2017.


Gefährdung
Mittlerer Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
> 50
32 Herstellung von sonstigen Waren
325004 Herstellung von Brillen

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Grundbildung zum verwandten Beruf Augenoptiker/in EFZ:

 

Optikschweiz
Geschäftsstelle
Baslerstrasse 32
Postfach
4601 Olten
Tel.: +41 62 212 80 33
E-Mail: admin@optikschweiz.ch
www.optikschweiz.ch
www.augenoptiker-ausbildung.ch

 

Ähnliche Berufe