Beckenmacher/in

Beckenmacherinnen und Beckenmacher stellen Becken (Zimbeln) her, teller- oder schüsselförmige metallene Musikinstrumente, die in ihrem Durchmesser von 5 cm (Fingerzimbeln) bis 60 cm variieren können.

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Ausgangsmaterial für Becken sind verschiedene Kupferlegierungen, besonders häufig Bronze (Kupfer und Zinn) oder Messing (Kupfer und Zink). Auch Neusilber (Kupfer, Nickel und Zink) wird verwendet. Andere Metalle, zum Beispiel Silber, können in Spuren hinzugefügt werden. Die genaue Zusammensetzung der Legierung entscheidet über den Klang des Instruments und ist gut gehütetes Geheimnis jedes Beckenmachers[1].

Erster Schritt in der Beckenherstellung ist das Schmelzen und Mischen der Legierungsmetalle. Die heisse Metallschmelze wird zu dicken Scheiben, Barren oder Blöcken gegossen, welche nach dem Erkalten weiter verarbeitet werden. Durch mehrfaches Walzen, Erhitzen und Auskühlenlassen wird das Metall gehärtet und seine Sprödigkeit wird reduziert. Die Prozesse des Schmelzens, Giessens und Ausglühens beeinflussen die innere Struktur und damit auch die klanglichen Eigenschaften der Legierung, sie erfordern deshalb höchste Aufmerksamkeit.

Hat das Metall die gewünschte Konsistenz erreicht, werden die zukünftigen Becken in Form von Scheiben aus dem Blech geschnitten. Diese Rohlinge stellt der Beckenmacher heute meist nicht mehr selber her, sondern lässt sie nach seinen Rezepturen von einer Giesserei bzw. einem Walzwerk produzieren. Für die Fertigstellung eines qualitativ hochwertigen Beckens sind aber die geübte Hand, das scharfe Auge und das musikalisch geschulte Ohr des Beckenmachers nach wie vor unerlässlich und können nicht durch Maschinen ersetzt werden.

Der Beckenrohling wird mit dem Hammer in Form gebracht und an der Drehbank ausgedünnt. Fertige Becken haben eine Stärke von 1-2 mm; meist sind sie gegen den Rand etwas dünner als in der Mitte. Die Bearbeitung mit dem Hammer dient auch der Optimierung des Klanges und hinterlässt auf der Beckenoberfläche die charakteristischen Dellen. Die erhöhte Kuppe in der Mitte des Beckens erhält eine kleine Öffnung, welche entweder der Aufhängung des Beckens auf einen Ständer oder dem Durchziehen von Lederschlaufen dient.

Becken können paarweise gegeneinandergeschlagen (sogenannte gegenschlagende Becken, in der Umgangssprache auch als Tschinellen bekannt) oder je einzeln mit einem Schlegel angeschlagen (Hängebecken) werden.

Die Bezeichnung „Becken“ leitet sich von der Form des Instruments ab. Sie ist im deutschsprachigen Raum erst seit dem 18. Jahrhundert in Verwendung; der ältere Name Zimbel (Cymbel, Cymbal) geht auf das griechische kýmbalon bzw. das lateinische cymbalum zurück.

Je nach Bauweise unterscheidet man zwischen dem Türkischen Becken und dem Chinesischen Becken. Das türkische Becken ist eine runde Scheibe mit leicht erhöhter Kuppe in der Mitte und glattem Rand. Beim chinesischen Becken ist die Kuppe dosenförmig, und der Rand ist etwas aufgebogen.

Das Handwerk des Beckenmachers kann in der Schweiz nicht über die formale Grundbildung erlernt werden. Als Basis empfiehlt sich die Ausbildung in einem metallbearbeitenden Beruf, zum Beispiel zum Schmied (heutige offizielle Bezeichnung: Metallbauer, Fachrichtung Schmiedearbeiten) oder zum Gusstechnologen.

 

Geschichte

Zur Geschichte der Metallbearbeitung vgl. Schmied, Kupferschmied, Giesser, Bronzegiesser.

Becken wurden bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. von den Assyrern hergestellt und geschlagen. Auch in der ägyptischen Hochkultur waren sie bekannt. Literarische Quellen belegen ihren kultischen Einsatz: Im Alten Testament wird Gott mit Zimbeln gelobt (Psalm 150), während die alten Griechen die Kymbala zum Beispiel bei Trauerfeiern oder Mondfinsternissen schlugen, um Dämonen fernzuhalten. Sie dienten aber auch früh als Begleitung bei Darbietungen; so hinterlegten zum Beispiel Tänzerinnen Musik und Tanz mit kleinen, häufig um den Hals oder an den Fingern getragenen Becken.

Auch im Mittelalter wurde das Becken bei zahlreichen Gelegenheiten geschlagen, es diente als rhythmusgebendes Instrument bei Marschmusik, Tanz und Lied, Zeremonien und Ritualen. In Europa scheint die Beckenmacherkunst im Laufe des Mittelalters allerdings in Vergessenheit geraten zu sein. In Asien wurde sie weiter gepflegt, von China im Osten bis zum Osmanischen Reich im Westen. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen europäischer Reiche mit den Osmanen wurde das Becken, das wichtiger Bestandteil türkischer Militärkapellen war, im 17. Jahrhundert auch in Europa wieder bekannt gemacht; das bei uns seither als türkisches Becken bekannte Instrument fand Eingang in die Militärmusik, später auch die Kunstmusik.

Asien und die Türkei blieben weiterhin Zentren der Beckenmacherkunst; die Beckenmanufaktur Zildjian, gegründet 1623 in Istanbul, ist bis heute für die Qualität ihrer handgefertigten Instrumente weltweit bekannt. Aber auch die Schweiz gehört mit der Beckenmanufaktur Paiste zu den international bedeutenden Herstellern. Neben den grossen Firmen stellen selbstständige Beckenmacher in ihren Ateliers auch heute noch individuelle, meist auf Kundenwunsch gefertigte Becken her.

[1] Für bessere Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.

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Literatur

Baines Anthony: Lexikon der Musikinstrumente, Stuttgart 2010.

Paiste AG, www.paiste.com, Rubrik „About us“, abgerufen am 26.09.2016.

Sachs Curt: Real-Lexikon der Musikinstrumente, zugleich ein Polyglossar für das gesamte Instrumentengebiet, Hildesheim/New York 1972 (2. unveränderter reprografischer Nachdruck der Ausgabe Berlin 1913).

Vienna Symphonic Library, https://www.vsl.co.at/de/Instrumentology/Percussions, abgerufen am 26.09.2016.


Gefährdung
Hoher Gefährdungsgrad
Verbreitung
ganze Schweiz
Ausführende
< 5
32 Herstellung von sonstigen Waren
3220 Herstellung von Musikinstrumenten

Formalisierte Aus-/Weiterbildung

Handwerksberuf Nein

Kontakt

Paiste AG
Kantonssstrasse 2
6207 Nottwil
Tel: +41 41 939 33 33
E-Mail: info-pag@paiste.com
www.paiste.com

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